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23 derselbe auch einiger Opfergebräuche gedacht und die Hauptopferstätte des fränkischen Hessengaues auf dem Gudensberg (Wuotansberg) erwähnt, auch seiner Vermuthung, dass jede Markgenossenschaft ihre eigene Opferstätte gehabt, die zugleich als Gerichts- und Versammlungsstätte diente, Ausdruck gegeben hatte, ging der Vortrag auf die ersten Spuren des Christenthums in Hessen über, die sich auf den irischen Apostel St. Kilian zurückführen lassen. Indessen nachhaltigen Fuss fasste das Christenthum in Hessen erst, als der heilige Bonifazius das Land betrat und zunächst in Oberhessen (Amöneburg), dann auch beim jetzigen Fritzlar im Jahre 722 das Wort vom Kreuze predigte. Zwar konnte er gleich Tausende von Heiden taufen, allein als er von seiner Reise nach Rom im Frühjahre 723 als Bischof an die Edder zurückkehrte, fand er einen grossen Theil dieser Getauften wieder abgefallen, Andere lau geworden, und da er sah, dass der Glaube an die Macht der Götter, insbesondere des Donar oder Thor, noch wenig erschüttert war, so griff er zur Axt und fällte die auf der Stelle des jetzigen Domes zu Fritzlar gestandene, dem Gotte Donar geweihte Eiche. Diese kühne That hatte den gewünschten Erfolg; denn da die umstehenden Heiden und Christen sahen, dass der Gott den Frevel nicht augenblicklich rächte, verloren sie das Vertrauen zu ihren Göttern und wandten sich nun dem Christenthum zu. Redner gab sodann seiner begründeten Vermuthung Ausdruck, dass der heilige Bonifazius von Fritzlar aus, nachdem er an der Stelle der gefällten Eiche und aus deren Holze eine Kapelle gebaut hatte, über Balhorn und Niederzwehren und weiter hin über Kaufungen durch’s Lossethal nach Thüringen weitergezogen sei. Bonifazius sorgte für den bekehrten Gau auch weiter, indem er Mönche und Nonnen aus England erbat, um das eben Gewonnene durch Predigt, Spendung der heiligen Sacramente und Unterricht, besonders auch der weiblichen Jugend, zu befestigen. Indessen bedurfte es noch weiterer Institutionen, um das grosse Werk in geordnete kirchliche Bahnen zu leiten. Da der heilige Bonifazius durch seine fortwährenden Missionsreisen in Deutschland verhindert war, sich um die Regierung des dem Christenthum gewonnenen Landes genügend zu bekümmern, so gründete er zunächst, wohl im Jahre 732, das Kloster zu Fritzlar, in welchem unter der Leitung seines ersten und vortrefflichen Abtes, des heil. Wigbert, und seiner Nachfolger ein einheimischer Clerus in der mit dem Kloster verbundenen Schule herangebildet wurde, sodann aber setzte er im Jahre 740 auch einen Landesbischof in der Person des heil. Witta ein, dem er seinen Sitz auf dem Büraberge bei Fritzlar anwies. Das Bisthum ging aber leider schon bald wieder ein und wurde dem Erzbisthum Mainz einverleibt. Nachdem der Vortrag die Stellung der Kirche zu den noch immer im Herzen des Volkes wurzelnden und in einer Menge von Gewohnheiten zu Tage tretenden heidnischen Gebräuchen gezeichnet hatte, welche in wichtigen Punkten energisch, in den übrigen aber sehr milde und duldsam zu Werke ging, und auch die Wirksamkeit der ersten deutschen Synoden berührt hatte,
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