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Rohrbach, Hopfelde, Kemphis, Oberndorf, Hausen und Siegershausen. Ebenso erhielt die Gegend ihre besondere Gerichtstätte auf der Höhe zwischen Lichtenau und Friedrichsbrück, da, wo es noch heute „am alten Gericht“ heisst.

Mittlerweile bereitete sich ein abermaliger Umschwung in den Verhältnissen des Landes und seiner Bewohner vor. Der alte Götterglaube gerieth in’s Wanken. Gegen Ende des 7. Jahrhunderts erscholl in den hessischen Wäldern das Wort vom gekreuzigten Gottessohn. Der hl. Kilian und der hl. Bonifatius waren die ersten Verkünder. Beide berührten wahrscheinlich die Gegend; Bonifatius jedenfalls 724, nachdem er die Donnereiche bei Geismar gefällt, auf dem Zuge zur unteren Werra. Der Bonifatiusweg bei Niederzwehren und der Taufstein bei Waldkappel können als Merkmale der von ihm eingehaltenen Richtung betrachtet werden. An den hl. Kilian erinnert der Name der vormaligen St. Kilianskirche bei Lichtenau.

Das Christenthum wirkte nicht allein besänftigend auf die rauhen Sitten und Gemüther der Chatten ein, seine Annahme gab auch den Anstoss zu einer noch weiteren Ausdehnung der Bodenkultur. Sobald die neugegründeten Klöster und Kirchen in den Besitz grösserer Waldflächen kamen, liessen sie zur Erhöhung des Ertrags umfangreiche Rodungen darin vornehmen. Edle und Freie folgten dem Beispiel, und so wuchs vom 8. bis etwa 11. Jahrhundert inmitten der Forsten eine neue Reihe von Ansiedelungen empor. Es sind die Orte mit den Endsilben burg, cappel, hagen und rode. Aus der hiesigen Gegend gehören dahin: Hetzelshagen, Poppenhagen, Fürstenhagen, Rommerode, Wezzelsrode, Hückerode, Wickersrode, Gisenrode, Hönrode, Retterode, Glimmerode und Epterode. Wie die häufige Verbindung der Endsilbe mit einem Personennamen verräth, haben wir es hierbei fast durchweg mit Anlagen auf Herrenbesitz zu thun.

Auch die äusseren Beziehungen des Chattenlandes änderten sich mit der Einführung des Christenthums. Das seit dem 6. Jahrhundert lose mit dem Frankenreiche vereinigte Stammesgebiet wurde jetzt enger damit verbunden. Gleichzeitig zerstückelten die fränkischen Könige den Gau. Die Verwaltung der einzelnen Theile übertrugen sie besonderen Beamten — Grafen —. Indem nun mit der Zeit aus diesem Amte eine erbliche Würde wurde, auf die zugleich die eigentlichen Hoheitsrechte, insbesondere die Gerichtshoheit, übergingen, kamen allerorts neue Herrengeschlechter auf; in unserer Gegend die Grafen von Reichenbach und Ziegenhain. Der Sage nach soll ihnen schon Pipin der Kleine den Schlossberg zum Amtssitz angewiesen und ihrer Obhut das Land zwischen der Fulda und dem Weissner anvertraut haben. Reichenbach würde danach der Stammsitz des Geschlechts sein. Die Meinungen über diesen Punkt gehen jedoch auseinander.

Wie dem aber auch sein möge, auf jeden Fall ist Reichenbach eine der ältesten und wichtigsten Burgen des Hessenlandes. Vor Zeiten soll ihr auch der Name „Widdergreiss“ eigen gewesen sein. Alte Chronisten erzählen ferner, König Conrads I. Schwager, Herzog Burghardt von Thüringen, habe öfter auf ihr geweilt.

 

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