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in Verbindung zu treten. — Das von dem Vorsitzen-den mitgebrachte neue Prachtwerk „über die Wilhelmsburg in Schmalkalden gab dem Conservator Herrn Dr. Bickell Veranlassung zu einer Besprechung, welche die gute Ausführung des Werkes lobte, aber zugleich auf einige Lücken aufmerksam machte. Die Wilhelmsburg ist das einzige Schloss der Landgrafen, dessen innere Ausschmückung uns noch einigermassen erhalten ist. Bei der Beurtheilung darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass der Bau sehr eilig ausgeführt wurde. — Zum Schlusse behandelte der Vorsitzende die Frage, wer der erste Buchdrucker Giessens gewesen sei, und zeigte, dass die in den Mittheilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins enthaltene Behauptung, Paul Egenolph habe für die Universität Giessen als erster gedruckt, auf einem Misverständnis beruhe, da der als Beweis herbeigezogene Eintrag im Giessener Universitätsrepertorium einen Auszug aus Marburger Universitätsakten von 1606 und 1607 gebe und auf Marburg, nicht auf Giessen zu beziehen sei. Somit seien die Angaben des Hessischen Buchdruckerbuches über Nikolaus Hampel richtig.

 

III. Sitzung am 31. Januar 1896.

Herr Pfarrer Heldmann aus Michelbach hielt einen Vortrag über die Geschichte des Kanonissen-Stiftes Wetter.

Er legte dar, dass die Erforschung der älteren Geschichte des Stiftes durch die phantastischen Darstellungen des Rektors Henkel fast ein Jahrhundert lang erschwert worden sei, bis zuerst Krause 1863 den Glauben an seine Erzählung erschütterte. Als Stifterinnen des Klosters (angeblich 1015) werden schottische (d. h. nordische) Schwestern Almudis und Dicmudis genannt ; das Stift wird erst im Anfange des 12. Jahrhunderts erwähnt, die älteste Urkunde ist von etwa 1215. Es stand unmittelbar unter dem päpstlichen Stuhle und gehörte dem Orden der Augustinerinnen an; die Kanonissen waren nicht zur Armuth verpflichtet, und ihnen der Eintritt in die Ehe bis 1139 gestattet. Das Stift war auf mainzischem Boden erbaut; mit der Vogtei über dasselbe belehnte der Erzbischof von Mainz zuerst die Landgrafen von Thüringen, dann seit 1263 die von Hessen. Die Stadt Wetter war wie die Grafschaft, in der sie lag, halb hessisch, halb mainzisch, die letztere Hälfte meist an Adlige verpfändet. Erst in den Jahren 1462 und 1464 gelang es Hessen, durch Benutzung der um das Stift Mainz geführten Kämpfe, die mainzische Hälfte als Pfand an sich zu bringen und 1583 sie ganz als Eigenthum zu erwerben. Vom Stifte ist jetzt nichts mehr erhalten, die Kirche war von Anfang

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