..

36

über die sogen, theologischen Strafprofessoren, kurz die Frage, ob die hiesige Universität und theologische Fakultät reformirt seien, und kam zu dem Schlusse, dass sie dies von 1653—1822 zwar gewesen, dass aber im Zusammenhange mit den Unionsbestrebungen 1822 dieser Charakter ihnen genommen sei, und es seitdem nur eine evangelische (nicht mehr eine reformirte) Fakultät gäbe. — Der Vorsitzende legte die ältesten erhaltenen Siegelstempel der Stadt Schwarzenborn vor und besprach sie ; zum Schluss liess Herr Rittmeister a. D. von Pappenheim von ihm angefertigte Photographien von Grabmälern der Comture und von den Schilden in der Elisabethkirche cirkuliren und sprach über die Verpflichtung der Ordensritter zur Aufhängung ihrer Schilde in der Kirche.

 

VI. Sitzung am 28. März 1896.

Herr Archivar Dr. Ribbeck hielt einen Vortrag über Martin Ernst von Schlieffen, einen hessischen Soldaten und Staatsmann im vorigen Jahrhundert.

Der Vortragende schilderte an der Hand der „Betreffnisse und Erlebungen“ Schlieffens (geb. 1732, gest. 1825), dessen wechselvollen Lebensgang. Aus preussischen Diensten, in denen er es bis zum Fähnrich gebracht, wegen Kränklichkeit von dem grossen Könige auf ziemlich brüske Weise entlassen, trat Schlieffen 1757 in hessische Dienste, machte den siebenjährigen Krieg als Adjutant des Herzogs Ferdinand von Braunschweig mit und stieg in 6 Jahren vom Lieutenant bis zum Generalmajor. 1772 ernannte ihn der ihm zeitlebens wohlgesinnte Landgraf Friedrich II. von Hessen-Cassel zum Generallieutenant, General-Kriegskommissar und Staatsminister. Besondere Verdienste erwarb er sich 1776 um das Zustandekommen des Allianz- und Subsidienvertrages, durch welchen Hessen dem König von England für den amerikanischen Krieg 12000 Mann zur Verfügung stellte. Schlieffen wusste diesen Vertrag für seinen Landesherrn pekuniär sehr vortheilhaft zu gestalten und vertheidigte ihn auch literarisch, freilich in einer Weise, die nicht nur den modernen Empfindungen, sondern auch denen der Zeitgenossen vielfach widersprach. Eigentümlich war seine Stellung zu den Fürstenbundsplänen. Auch Schlieffen wollte einen Bund der kleineren deutschen Fürsten, aber nicht unter Preussens Führung, sondern unabhängig von diesem wie von Oesterreich. Die Ideen kamen nicht zur Ausführung, da Hannover, auf das er vornehmlich gerechnet hatte, sich damals eng an Preussen anschloss. Trat in diesen Plänen eine gewisse Abneigung gegen Friedrich den Grossen zu Tage, so wusste Schlieffen nach dessen Tode doch von den Thaten und der Regierungsweise des grossen Königs ein treffendes und nicht ungerechtes Bild zu entwerfen. 1789 trat Schlieffen, angewidert durch den Geiz des Landgrafen Wilhelms IX., des Nachfolgers Friedrichs II., als Generallieutenant

 

..