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und Bettenhausen bis zu dem Verbindungsweg von letzterem nach Ochshausen erstreckt. Er ist etwa 462 Acker gross und noch jetzt grösstentheils Hute; 2) dem kleineren oder oberen Forst, der von jenem Verbindungsweg ab nach dem Lindenberg sich hinzieht, etwa 109 Acker gross und jetzt urbar gemacht ist; 3) dem Sauplatz, auch kleiner Forst genannt, welcher, etwa 33 Acker gross, diesseits der Nürnberger Landstrasse liegt. Auf ihm ist jetzt die städtische Gasanstalt erbaut worden.

Die älteste Nachricht über den Forst gibt eine Urkunde vom 12. März 1294, in welcher Ritter Bertold von Adeleffen bekundet, dass er in einem Gericht zugegen gewesen sei, welches in dem „Vorst“ genannten, nahe bei Cassel gelegenen Wald stattgefunden habe. Kopp in seinem Buch „Von den geistlichen und Civil-Gerichten in Hessen“ stützt hierauf die Ansicht, dass die höheren Landgerichte des Niederfürstenthums Hessen von dem Landgrafen auf dem Forst gehalten worden seien. In dem erneuerten Freiheitsbrief des Landgrafen Ludwigs I. von 1413 für die Stadt Cassel wird bestimmt, dass die Weiden des bei letzterer gelegenen Forstes gemeine Weiden sein sollten; jedoch behält sich der Landgraf die herrschaftlichen Wiesen und die Eichelmast vor. Der Forst, nach der Urkunde von 1294 ein Wald, war nach dem Inhalt des Freiheitsbriefes bei dessen Ertheilung nicht mehr durchweg, bezw. nicht mehr so dicht wie früher mit Bäumen bestanden; eine vollständige Entwaldung scheint aber nach Merian (Topographie von Hessen 1655) erst vorgenommen zu sein, nachdem Cassel durch Philipp den Grossmüthigen und seinen Sohn Wilhelm IV. im 16. Jahrhundert zur vollständigen Festung gemacht worden war.

Während die Stadt Cassel sich früher im wesentlichen auf die Benutzung des Forstes als Weideplatzes (durch ihre Bürger und Hutepachter) beschränkte, begann sie im zweiten Jahrzehnt des laufenden Jahrhunderts eine bessere Verwerthung desselben zu erstreben. Sie gab das auf dem grossen Forst liegende unterste Forsthaus mit Zubehör in Erbleihe und verpachtete den oberen Forst behufs Urbarmachung auf Lebenszeit. Auf dem grossen Forste machte sie einzelne Stücke urbar und gab die Absicht zu erkennen, solches auf dessen südöstlichem Theil in grösserem Maasse zu thun. Hierdurch kam die Stadt mit der kurhessischen Militärverwaltung in Streit, da diese die Berechtigung zur Benutzung des Forstes als Exerzierplatzes der Truppen beanspruchte. Die Nachrichten über die Verwendung des Forstes zu militärischen Zwecken gehen nur bis in das dritte Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts zurück. Mehrmals hatten in dessen Laufe grössere Truppenmassen auf ihm ein Lager bezogen, und für die Zeit nach dem 7jährigen Kriege wird das regelmässige Ueben der hessischen Truppen auf dem Forst mehrfach bekundet. Die hessische Artillerie hatte jedoch bis zum Jahre 1821 nicht dort, sondern auf dem Felde zwischen Rothenditmold und Harleshausen gegen den Rothenberg hin nach der Scheibe geschossen. Als diese Uebungen nun vom Jahre 1821 ab auf den oberen Forst verlegt wurden, machte dessen Pächter Entschädigungsansprüche geltend, welche erst

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