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in den Jahren 1837 und 1838 durch gerichtliche Entscheidungen als begründet erkannt wurden. In Folge dessen sah sich die kurhessische Militärverwaltung genöthigt, einen Theil des oberen Forstes zu den Schiessübungen der Artillerie von der Stadt Cassel zu pachten. Dies Verhältnis hat bis zu Ende der 1860er Jahre gedauert, wo die Schiessübungen der hiesigen Artillerie auf grössere auswärtige Plätze verlegt wurden.

Der Widerspruch der kurhessischen Militär-Verwaltung gegen die obenerwähnte Absicht der Stadt Cassel, einen grösseren Theil des grossen Forstes urbar zu machen, veranlasste diese, im Jahre 1839 bei dem Obergericht zu Cassel gegen den Staatsanwalt auf Anerkennung der Freiheit des Forstes von der Seitens der Militärverwaltung beanspruchten Exerzier-Gerechtsame Klage zu erheben. In seiner Einredeschrift bestritt der Staatsanwalt zunächst das Eigenthum der Klägerin am Forst und behauptete weiter die Erwerbung der gedachten Gerechtsame Seitens des Staats durch unvordenkliche Verjährung. Nach einem langwierigen Beweisverfahren sprach das Obergericht im Jahre 1849 der Stadt Cassel das durch ausserordentliche Verjährung erworbene Eigenthum am Forst und im Jahre 1855 dem kurhessischen Staat das Recht zur Uebung seiner Truppen auf dem grossen Forst (mit Ausnahme der bereits angebauten Stücke) und dem Sauplatz, jedoch mit Ausschluss des Uebens der Artillerie im Schiessen mit Kugeln, als durch unvordenkliche Verjährung erworben, zu. Von beiden Seiten wurde hiergegen bei dem Oberappellationsgericht zu Cassel Berufung eingelegt. Ehe letzteres aber entschied, kam nach langwierigen, mehrmals unterbrochenen und wiederaufgenommenen, an interessanten Vorgängen reichen Verhandlungen im Jahre 1857 ein Vergleich zwischen den Streittheilen mit landesherrlicher Genehmigung zu Stande. Durch diesen erkannte der Staat das Eigenthum der Stadt Cassel am gesammten Forst und die Freiheit von der Exerzier-Gerechtsame bezüglich des oberen Forstes, des Sauplatzes und des etwa 70 Acker grossen südwestlichen Theils des grossen Forstes, die Stadt Cassel dagegen das Recht des Staates zum Ueben seiner Truppen auf dem übrigen, rund 390 Acker grossen Theil des grossen Forstes, und zwar unbeschränkt nach Jahreszeit, Raum, Waffengattung und Art der Uebung, namentlich auch im Schiessen mit Kugeln, an. Der solchergestalt festgestellte Exerzierplatz der Truppen erfuhr durch die Anlegung der Cassel-Waldkappeler Eisenbahn zu Ende der 1870er Jahre insofern eine Veränderung, als der dazu und zur Anlegung des Bettenhäuser Bahnhofs auf dem grossen Forst erforderliche Raum von jenem abgeschieden und ihm dagegen ein gleich grosses Stück von dem durch Vergleich freigegebenen Theile des grossen Forstes wieder zugelegt wurde.

Auch die Casseler Bürgerwehren haben während ihres Bestehens (1830—50) ihre grösseren Uebungen auf dem grossen Forst vorgenommen.

Der Forst ist auch vielfach die Stätte für die Hinrichtungen gewesen. Diese wurden bis zum Jahre 1806 auf einem hinter der Heuwage vor dem Leipziger Thor gelegenen städtischen

 

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