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liebreiche Güte Gottes, der allen Zeiten seine Sonne leuchten liess und dem Menschen Bewusstsein einer höheren Lenkung eingoss. In allem erkannten und verehrten sie seine weise Vorsehung und Fürsorge und sind ihm für ihre entbehrungsvolle Jugend zeitlebens dankbar gewesen, wie sie auch ihr jähes Scheiden von Göttingen als ein Walten der Vorsehung ohne Murren hinnahmen.

Mit solchem Glauben verband sich, gewissermassen als Grundlage desselben, ein beneidenswerther Optimismus, der ein Hauptgrundzug ihres Wesens war. So haben die Brüder auch in den schweren Zeiten von 1807 und weiter den Glauben an die unbesiegbare Jugendkraft des Volkes nicht verloren. Sie litten und klagten nicht; heftige Erschütterungen bewegten ihr Leben, und doch waren sie so glücklich; jeder äussere Zwang ward ihnen zu einer inneren Befreiung.

Wie waren die beiden ferner Männer an Muth und Kraft. Mannhaft traten sie 1837 für das Recht, die Heiligkeit des Eides, die Reinheit des Gewissens in die Schranken; und als Jakob 1841 seine erste Vorlesung in Berlin hielt, da war der Hörsal gefüllt von mehreren hundert Zuhörern, die mit lautem, langanhaltendem Jubel ihm huldigten, dem Manne der Wissenschaft und der That.

Und wie schlicht und einfach und bescheiden waren die Männer dabei. Genügsamkeit, Freude der Armuth, Behagen in traulicher Enge leitete sie auf einem sanften Wege durchs Leben. In nichts haben sie ihre eigene Ehre gesucht, in allem dienten sie nur der Sache, der Wissenschaft, dem Volke, dem Vaterland.

Dass solche Männer volksthümlich im edelsten Sinne des Wortes sein mussten, ergibt sich eigentlich von selbst. Mit einer Art trunkener Andacht sprechen sie das Wort ,,Volk“ aus, auch das Kleinste der Volksüberlieferung war ihnen heilig, und so sind sie die Schutzgeister der Volkspoesie, die Historiker des Seelenlebens ihres Volkes geworden, und unter ihren Händen ist auch die Philologie deutsch und volksthümlich im besten Sinne geworden. Der Stil der Grimmschen Märchen aber ist ein Vorbild für alle wahre, schlichte, herzerquickende und volksthümliche Darstellung.

Tief eingeprägt war ihnen von früh auf eine warme Heimaths- und Vaterlandsliebe, die wie ein ,,leiser Hauch aus höherer Welt“ ihr Leben und ihre Schriften durchzieht. An Steinau und Cassel hingen sie mit treuster Liebe. Nicht Göttingen und Berlin sind ihnen später so ans Herz gewachsen wie jene Stätten, wo, wie Jakob sagt, wir die mahnenden Stimmen vernehmen, die aus den Grabhügeln unserer Eltern zu uns dringen. Mit dieser Heimathsliebe verband sich zunächst eine unwandelbare Liebe zum engeren Vaterlande, ihrem Geburtsland, dem Hessenland. An allem Frohen und Trüben, was das Heimathland betraf, haben sie auch in der Ferne noch stets den lebendigsten Antheil genommen, von den Mängeln und Gebrechen tief berührt, stolz auf seine eigenartigen Vorzüge.

 

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