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ein Beitrag zur Sittengeschichte des 18. Jahrhunderts sein will.

Am 3. März 1723 wurde Maria geboren. Das Leben am Hofe ihres Vaters, Georgs II. von England, erfüllte die Tochter mit Widerwillen. 1744 vermählte sie sich mit dem Prinzen Friedrich von Hessen. Ihre Söhne waren Wilhelm, Friedrich und Carl, deren gute Erziehung ihr sehr am Herzen lag und die mit aller Kraft unter Mitwirkung geeigneter Kräfte sie zu erstreben unablässig bemüht war. Ihre 900 Briefe, die erhalten sind und Dr. Erich Meyer als Grundlage seines Buches über „Maria“ dienten, legen hiervon Zeugnis ab. Maria hatte in reichem Masse an sich selbst die Wahrheit zu erfahren, dass die steilen Höhen Hochgestellter oft den heftigsten Stürmen ausgesetzt sind. Sie musste es erleben, dass ihr Gatte zur katholischen Religion übertrat. Von 1755 ab lebte sie getrennt von demselben. Sie starb 1772, 48 Jahre alt. Maria hatte ihre Bildung erst in späteren Jahren durch eigene geistige Arbeit sich erworben. Ihr reiches, inneres Leben kommt in ihren Briefen an ihre Söhne, namentlich in der Zeit, in welcher dieselben in Kopenhagen weilten, zu geradezu oft ergreifendem und überwältigendem Ausdrucke. Ihrem Sohne Wilhelm hält sie einen Spiegel vor, in welchem das Bild eines Regenten erscheint, wie er sein soll, wie Wilhelm IX., bekanntlich aber nicht wurde.

Nicht die Vorzüge der Geburt und der äusseren Umstände und Verhältnisse seien es, welche Würde verliehen — Wilhelm solle desshalb auf seine bevorzugte Stellung als Fürst sich nicht zu viel einbilden — wahre Würde sei etwas Innerliches, im Adel der Seele Ruhendes, in welchem auch allein nur wahres Glück zu finden sei, das die Welt, die in den verschiedenen Verhältnissen des Lebens nur etwas mehr oder weniger Elend zeige, nicht zu bieten vermöge. —

Weiter berichtete der Vorsitzende an der Hand bisher unbekannter Schriftstücke über die am 25. Mai 1625 am hiesigen Schlosse stattgehabte Einweihung der Universität in der Darmstädter Zeit. Landgraf Ludwig zu Hessen-Darmstadt wohnte derselben selbst bei. Der Superintendent von Marburg hielt die Festrede. Die Feier begann und schloss mit musikalischen Vorträgen und Gebet. — Herr Professor Schröder berichtete alsdann an der Hand eines Corveyer Codex über die Gebetsverbrüderung des Corveyer Klosters mit näheren und ferneren Kirchen und Klöstern. Der genannte Codex, von Abt Wiebald angelegt, beginnt in der Mitte des 12. Jahrhunderts. Auch hessische Klöster — z. B. Heimarshausen, Lippoldsberg etc. — gehörten der Corveyer Gebetsverbrüderung an. Es gab klösterliche,

 

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