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zumal als im Jahre 1808 mit ihr das Militär-Lazareth verbunden wurde. Sie wurde das grösste Krankenhaus des Königreichs Westphalen. Die Direktion bestand zu dieser Zeit aus 5 höheren Beamten, deren einer den Titel Admimstrator führte; darunter standen die eigentlichen technischen Beamten: 3 Aerzte, davon einer mit dem Titel Inspektor, 2—3 Wundärzte und l Apotheker. Inspektor war ein Leibarzt des Königs Jerome, Namens Garnier de St. Romain.

Das Landkrankenhaus zu Bettenhausen, neben dem Wilhelm II. im Jahre 1827 ein besonderes Garinsonlazareth eingerichtet hatte, wurde besonders in Anspruch genommen im Jahre 1851 während der Cholera und in demselben und den folgenden Jahren während des Aufenthalts der Bundesexekutionstruppen, der Baiern und Oesterreicher. Nachdem Muster des hiesigen entstanden auch in den Städten Marburg, Fulda, Hanau, Rinteln, Schmalkalden Landkrankenhäuser.

Nach Einverleibung Kurhessens in die preussische Monarchie wurde der eingezogene kurhessische Staatsschatz u. a. auch zur Unterhaltung der Landkrankenhäuser und Hospitale bestimmt, und dem Communal-Verband als ein diesem gehöriges und von ihm zu verwaltendes Vermögen überwiesen. Weitere Einnahmequellen waren übrigens Zinsen von wohlthätigen Stiftungen, wie von Kurfürst Wilhelm II. 5000 Thaler und von Geh. Med.-Rath Dr Fiedler 6000 Thaler. Die Charité-Steuern kamen dagegen in Wegfall, so die Trauungssteuer 1869, die Hundesteuer 1877. Direktoren, in früheren Jahren keine Mediciner, sondern höhere Regierungsbeamte, waren 1823—32 Reg.-Rath und Polizei-Direktor Pfeiffer, 1833- 55 Ober-Med.-Director Dr Heräus, 1856—59 Geh.-Reg.-Rath Ungewitter, 1860—65 Geh.-Reg.-Rath Benning, 1865—66 Reg.-Rath Riess v. Scheuernschloss, 1867—71 Öber-Med.-Rath Dr. Lambert, 1872—85 Ober-Stabsarzt Dr. Rosenkranz, 1885—86 Dr. Schneider, 1886—? Dr. Hadlich.

Errichtet nach dem damals angewandten Einheits- oder Corridor-System, ein Fachwerkbau mit Erdgeschoss und zwei Etagen (im Gegensatz zu den in der Mitte dieses Jahrhunderts vorherrschenden Baracken- oder Pavillon-System) entsprach das alte Landkrankenhaus in seinen ursprunglichen Einrichtungen nicht mehr den gesteigerten Anforderungen der Neuzeit.

Im Kriegsjahre 1870 wurde das sog. Contagien-Haus erbaut, in gleicher Richtung mit dem östlichen Eckpavillon des Hauptgebäudes etwa 20 Meter davon entfernt zur Aufnahme von an ansteckenden Krankheiten Leidenden, und 1873 südwestlich vom Hauptgebäude nach der Leipziger Strasse zu das Verwaltungsgebäude mit Bureaus und Wohnungen für Aerzte und Beamte. Ausserdem wurden Baracken für Fieberkranke errichtet, Heizungs- und Beleuchtungs-Verhältnisse verbessert, ausser der Eichwasserleitung die städtische Wasserleitung dahin gelegt. Eisenbahn-und Pferdebahn-Verbindung war gleichfalls in der Nähe. Da machten sich bauliche Besserungen geltend und zugleich die Sehnsucht nach Anlage auf der Höhe in freier Luft, und es

 

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