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wurde daher auf dem Möncheberge in der Nähe der alten „Kaffemühle“, ein aus mehreren aneinander gelegenen Häusern bestehender, allen Ansprüchen der Gegenwart genügender Neubau, welcher 430 Krankenbetten (gegen 230 im alten Gebäude) besitzt, aufgeführt und im November 1895 eröffnet. Die alte Charité ist nach mancherlei Schicksalen in den Besitz der Firma Salzmann u. Co. zu Bettenhausen übergegangen.

Im Anschluss an den Vortrag theilte Herr Dr. Schwarzkopf noch mit, dass die beiden rechts und links vom Haupteingang der Charité stehenden Pförtnerhäuser in Westfälischer Zeit errichtet worden und Jugendarbeiten des damals in Westfälischen Diensten beschäftigt gewesenen Leo von Klenze seien.

5. Monatsversammlung am 27. Februar 1899. Herr Oberlehrer Dr. Pistor hielt Vortrag über ,,Ein Capitel aus der Lebensgeschichte desGötz von Berlichingen.“

Das Hauptmaterial zur Beurtheilung des Götz, dessen Charakterbild noch manche wenig aufgehellte Seiten zeigt, liefert neben einzelnen Briefen und Urkunden die von ihm verfasste Selbstbiographie, welche jedoch lediglich einen apologetischen Charakter hat, und nachzuweisen sucht, dass er sich in allen Lebenslagen, „wie einem Frommen, Ehrlichen vom Adel gebührt“, gehalten habe. Er musste als treuherziger Ritter den Unterdrückten beispringen und die ihm gewisser Vorkommnisse halber Böses nachsagen, sind nichts als gehässige Verleumder. Ob er absichtlich Dinge verschweigt, deren Mittheilung für ihn nicht günstig gewesen wäre, ob er wirklich fest von seinem guten Recht überzeugt war, ist schwierig zu entscheiden. Dass alle seine Hände ehrenhaft waren, kann er sicher selbst nicht geglaubt haben, mag man auch seinen engen Gesichtskreis und seine geringe Urtheilskraft bezüglich der rechtlichen Verhältnisse gebührend in Rechnung ziehen.

Götz lag im Jahre 1516 mit dem Erzbischof Albrecht von Mainz in Fehde, und hatte, auf die Nachricht, dass Mainzische Domherren mit einer beträchtlichen Summe von 34,000 Gulden von Halle nach Mainz reisten, diesen auflauern lassen; sie wurden jedoch in Amöneburg gewarnt und entgingen dem Hinterhalt der Reisigen, worauf letztere mehrere mainzische Dörfer der Umgegend Schröck, Stausebach und Bauerbach plünderten und mit dem Raube nach der Diemel zogen, wo Götz mittlerweile mit den Rittern Johann und Friedrich von Padberg Verbindungen angeknüpft hatte. Auf dem Schloss Padberg wurde er (15. März 1516) freundlich aufgenommen und brachte hier auch die gefangenen Bauern unter. Als jedoch Graf Philipp II. von Waldeck, welcher mainzischer Amtmann in dieser Gegend war, von Götz Kunde erhielt, liess er die von Padberg ver-

 

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