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Gopien uns bezeugt, die der Maler Hans Wilhelm Kirchhof, ein Sohn des oben genannten gleichnamigen Dichters, angefertigt und dem Landgrafen Moritz eingereicht hat; die Landesbibliothek zu Cassel bewahrt das interessante Heft. Die Urheberschaft Michael Müllers können wir allerdings hier nur vermuthen. Dagegen haben wir wenigstens ein sicheres Gemälde von ihm, wenn auch erst aus seiner Spätzeit, ein des Künstlers würdiges Werk, nämlich ein ansprechendes Bildnis des 1567 verstorbenen Landgrafen Philipp, aus der Erinnerung gemalt, bezeichnet mit dem Monogramm ‘M M’ und der Jahreszahl 1570. Das Bild, das wohl die Stadt Cassel bestellt hatte, ist noch in deren Besitz und hängt im Rathhause. Es verdiente, besser bekannt zu werden, da es von allen Bildern des alten Landgrafen (der in seinen späteren Jahren keinem Maler mehr sitzen wollte) nicht nur das beste, sondern auch das einzige ist, das Ueberzeugungskraft besitzt. Als eines der besten Bilder Philipps aus den mittleren Jahren können wir dagegen ein von Meister Lucas Cranach selbst gemaltes betrachten, das zwar nicht mehr im Original, wohl aber, wie der Redner nachwies, in einer zu Wien vorhandenen Copie aus der Ambraser Sammlung vorliegt. — Nach dem Tode Landgraf Philipps (1567) gab es vier hessische Hofhaltungen statt einer. Landgraf Ludwig zu Marburg hatte zwei Hofmaler, Hieronymus Leypold und Johann Maass. In Cassel blieb unter Landgraf Wilhelm IV. zunächst, und zwar mit erhöhten Bezügen, der alte, brave, kinderreiche Michael Müller im Amte. Dann erscheint eine ganze Reihe neuer Meister. Landgraf Wilhelm war sehr eifrig im Ausschmücken seiner zahlreichen Schlösser und er war, wie andere Fürsten der Zeit, ein sehr eifriger Sammler von Bildnissen, besonders solchen fürstlicher Zeitgenossen. Zerstreute Reste seiner Bildnissammlungen findet man in der Löwenburg zu Wilhelmshöhe, dem Naturalienmuseum zu Cassel und an anderen Orten. Einen Theil dieser Bildnisse bezog der Landgraf von der Frankfurter Messe und vom Ausland, aus Italien oder aus Antwerpen (wo er z. B. die Copierwerkstätten von Adrian Kay und Peter Goetkind in Nahrung setzte). Andere ,Tafeln' aber liess der Landgraf von eigenen Malern anfertigen, sei es, dass er entliehene Originale in Cassel copieren liess, oder dass er auswärts an Ort und Stelle Naturaufnahmen oder Copien herstellen liess. So arbeiteten für ihn jahrelang mehrere Hofmaler neben einander, namentlich zwei, deren Werke wir nach den dürftigen Nachrichten schwer auseinander halten können, da sie beide sowohl im Bildnisfach, wie in dekorativer Malerei thätig waren. Der eine, 1576 (wohl kurz nach Müllers Tod) angestellt, hiess Jaspar van der Borcht und war, wie der Redner ausführte, ein Niederländer. Der andere dagegen, 1582 zuerst erwähnt, des Namens Jost vom Hof, war ein Hochdeutscher. Er scheint der bedeutendere von den beiden gewesen zu sein; der Landgraf selbst nennt ihn einen guten ‘Conterfeter’ (Porträtisten). Er fungirte anfangs hauptsächlich als Reisemaler, wobei er mehrmals an fremden Höfen so viel Anerkennung fand, dass man sich bemühte, ihn für den

 

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