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b. Wissenschaftliche Unterhaltungsabende*).

1. Unterhaltungsabend am 5. December 1898. Herr Dr. Lange sprach über die Gemeindeverfassung von Sooden a. W. und erwies aus den Statuten von 1489 und 1540, dass die Verfassung in früherer Zeit von der sog. Pfännersehaft, der im Besitz des Salzwerkes befindlichen Corporation, gegeben wurde, und dass erst mit Pachtung des Salzwerks durch Landgraf Philipp die Gerechtsame der Pfännerschaft in dieser Beziehung auf den Landesherrn überging.

Herr Dr. Boehlau berichtete an der Hand einer Karte über die von ihm im Laufe des Sommers vorgenommene Verzeichnung der Gräber im Buchenlande und gab daran anschliessend einen Ueberblick über die Besiedelungsgeschichte dieser Gegenden.

Herr Dr. Scherer machte auf Grund eines handschriftlich in Landaus Collektaneen erhaltenen Auftrags des Landgrafen Wilhelms IV. Mittheilungen über die Thätigkeit der Maler Jost vom Hoff, Caspar van derBorcht und Meister Christoph für das Familienzimmer der Wilhelmsburg in Schmalkalden; Meister Caspar wurde dem Herzog Erich II. zur Ausführung von Malereien im Schlosse zu Münden (vielleicht den noch jetzt vorhandenen?) zeitweilig überlassen, auch dürfte die Ausstattung des sog. goldnen Saales im Schlosse zu Cassel und die Ausführung der im Renthofe noch heute befindlichen Dekorationen, sowie auch des den Landgrafen Wilhelm IV. und seine Räthe darstellenden Bildes auf ihn oder Jost vom Hof zurückzuführen sein **).

Herr Dr. Brunner sprach zum Schluss über den bekannten und des öfteren besprochenen Brief, den Landgraf Friedrich II. am 8. Januar 1777 an den

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*) Ueber ihre Einführung s. o. S. 36. Die Abende sollen fünfmal im Laufe des Winters und zwar jedesmal an dem auf die Vortragssitzung folgenden Montag stattfinden. Sie wurden Abends um 8 Uhr im CaféVerzett abgehalten und hatten sich stets eines überaus zahlreichen Besuchs zu erfreuen.

**) S. auch Repertorium für Kunstwissenschaft. Bd. XXI (1898), Heft l und oben S. 52—53.

 

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