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zum Bahnhof angetreten werden, so dass der Besuch der Kirche in Volkmarsen nur ein flüchtiger war.

2. Ausflug nach Oberkaufungen am 9. September 1898. Die Theilnehmer fuhren mit dem Zuge um 224 Uhr Nachmittags bis Oberkaufungen und begaben sich zunächst zur Stiftskirche.

Herr Bibliothekar Dr. Brunner legte hier in gedrängter, inhaltsreicher Uebersicht die Geschichte des alten Nonnenklosters dar.

Redner brachte den Namen des Ortes, der älter als die Klostergründung sei, in Verbindung mit ‘Kaufen’ (analoge Bildungen lägen vor z. B. in den Namen auf Köping in Schweden, Kaufbeuren in Württemberg); ein Kauf- und Handelsplatz befand sich hier an der alten von Ost nach West führenden Hauptstrasse, der später zurückging, als Cassel an Bedeutung gewann. Das Kloster wird der Kaiserin Kunigunde, der Gemahlin Heinrichs II. verdankt: die Bestätigung erfolgte 1019. Die hiermit in Widerspruch stehende Stelle einer Urkunde d. J. 1008, wonach die Kaiserin ihren Gutshof mit Zubehörungen in Cassel dem Kloster Kaufungen geschenkt hätte, dieses also damals schon begründet worden sei, wurde in Uebereinstimmung mit anderen Forschern als interpolirt bezeichnet. Nach der Bestätigung von Rom stieg der Bau des Gotteshauses in die Höhe, dem die Kaiserin als vornehmste Reliquie einen Splitter vom Kreuze des Herrn schenkte, wonach das Kloster auch zum heiligen Kreuze genannt wurde. Reiche Dotationen flössen der jungen Stiftung für ihren Unterhalt schon zu Lebzeiten Heinrichs II. und zumeist von seiner Hand zu ; die Besitzungen lagen nicht nur in Niederhessen sondern auch im Thüringischen, in Oberhessen und im Moselland. Die kaiserliche Schirmvogtei, die Heinrich verliehen hatte, gerieth nachher in Vergessenheit; später sehen wir die Grafen von Grüningen, nach ihrem Aussterben die Landgrafen zu Hessen als Schirmvögte.

Die Kaiserin Kunigunde hatte nach dem Tode ihres Gemahls (1024) selbst in Kaufungen den Schleier genommen und sich als Nonne einsegnen lassen; dort verbrachte sie ihre letzten Jahre. Ihre Nichte Jutta war die erste Aebtissin des Klosters. Während die Nonnen anfangs nach der Regel des heil. Benedict lebten, wandelte sich die Vereinigung später in ein freies weltliches Frauenstift um. Ende des Mittelalters trat hier wie anderwärts eine Periode des Niedergangs ein, worin auch die Bursfelder Congregation keinen nachhaltigen Wandel zu schaffen wusste. Im Jahre 1527 wurde das Kloster aufgehoben; die letzten Insassen wendeten sich nach Gehrden in Westphalen. Landgraf Philipp zog die Lehen und Patronate als heimgefallen ein und gab die Klostergüter sammt denen zu Wetter auf dem Landtage von 1582 der Ritterschaft zu freier Verwaltung.

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