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ist aus Garkes verdienstvollem Werkchen (Quellen u. Forschungen Bd. 69 bei Trübner-Strassburg) nicht nachzuweisen. Das h bei Rithesel gehört somit unzweifelhaft, weil zudem andere Gründe vorlagen, zum ersten Kompositionsglied.

4. Was ist nun der erste Bestandtheil: Rieteh, Rith, Reit, Riet, Ried? Die beiden ersteren Formen sind identisch: Es ist eine unorganische Verschiebung eingetreten, andernfalls bliebe lediglich die Annahme eines Irrthums des Concipienten der kritischen Zeit, eine graphische (schreiberische) Besonderheit oder eine Zurückdatirung einer jüngeren Urkunde mit dieser Gestaltung des Geschlechtsnamens, welch letzteres in diesem Zeitraum des 13. u. 14. Jahrhunderts ungemein oft, und dies aus klaren Gründen, vorkam.

Dabei ist mit lautlichen Unmöglichkeiten unbedingt zu rechnen.

a. Langes i*) Rith (1149, 1272) konnte wohl nach bekannten Thatsachen der Grammatik sich in ei (Reit 1324) wandeln und dieses allenfalls in Ritt, nicht aber in Riet, Ried (1487 ff.) Letzteres könnte ausschliesslich Analogiebildung sein, die einen Bruch mit der eigenen Vergangenheit bedeutete. Aehnliche Vorkommnisse sind auf vogelsberger Boden dutzendfach zu erweisen.

b. Danach passe entweder die Form mit ei oder die mit ie nicht in das Gesammbild? Aber die Form aus 1324 ist so werthvoll (namentlich wegen des z), dass wir die jüngeren mit ie zurückstellen dürfen. Diese erinnern wohl an hriot ,carex‘, lassen aber weiterhin sofort im Stich.

c. Was bei Vilmar ,Deutsches Namensbüchlein‘ (1855) S. 39 und Heintze, Die deutschen Familiennamen‘ (1882) S. 192 über eine Herkunft von ,Reitesel (rîtesel) vorgetragen ist (nach Dr. Heldmann), bleibe erwähnt, nach dem ,Reitezel‘ eignet ihm besondrer Werth nicht.

d. Adamek a. a. O. subsumirt diese Formen unter dem Thema ric ,mächtig. So die Geschlechtsnamen Rietz, Riesel, Rittel, Ritzel, Rieth, Rissl u. a. m. Aber das geht keinesfalls so ohne weiteres an; ein

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*) Riter kann kurzes und langes i haben.

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