..

17

und führt denselben in den ausserordentlichen Versammlungen vom 13. November 1899 und 8. Januar 1900 zu Ende.

 

3. Monatsversammlung am 27. November 1899.*)

Nachdem der Vorsitzende über die Mitglieder-Verhältnisse und die eingelaufenen Geschenke berichtet und mitgetheilt hatte, dass für die Unterhaltungs-Abende, welche immer 14 Tage nach der Monats-Versammlung stattfinden sollen, als Local endgültig die „Stadt Stockholm“ fest bestimmt sei, hält Herr Dr. Schwarzkopf Vortrag:

„Cassel im 30jährigen Kriege, mit besonderer Berücksichtigung der Tilly’schen Belagerung im Jahre 1626“.

Derselbe schilderte einleitend die politische Lage in Deutschland, wie sich solche im ersten Jahrzehnt des furchtbaren Krieges entwickelt habe, und die streitenden Fürsten allmählich weniger für ihre religiöse Ueberzeugung als zur Kräftigung ihrer Macht gekämpft hätten und sich in Folge dessen nicht gescheut, mit Frankreich und Schweden Bündnisse einzugehen. Auch Landgraf Moritz, der anfänglich nur seiner Glaubenstreue gefolgt war, hatte sich im Jahre 1626 von der kaiserlichen Autorität entfernt, und seinen Berather Dr. Wolfgang Günther, welcher später zu Ziegenhain durch das Schwert hingerichtet worden ist, trifft einen Theil der Schuld an dem über Hessen heraufbeschworenen Unheil, weil er in einer Proclamation alle Hessen zum Kampfe gegen Kaiser und Reich aufgefordert und dadurch die Ritterschaft in das feindliche Lager getrieben hatte.

Der baierische Feldherr Tilly rückte im Mai 1626 mit 8 Regimentern in Hessen ein, besetzte die Städte Eschwege und Allendorf und näherte sich sogar der Hauptstadt Kassel, nahm aber nur das mit Wall und Graben umgebene und von einer Kompagnie besetzte Lustschloss Weissenstein und einen Posten auf dem Hasunger Berge in den befestigten Klosterbauten. Alsdann rückte er vor Münden und nahm diese Stadt, nachdem von der Tilly-Schanze aus Bresche geschossen, trotz tapferster Verteidigung Seitens der Bürgerschaft und einer Besatzung von 800 Dänen am 3. Pfingsttage im Sturm ein, dem die furchtbarsten Greuel folgten. Zahlreiche Flüchtlinge fanden in Kassel Aufnahme. Hierauf schlug Tilly im Schlosse der Herzöge von Braunschweig zu Münden sein Hauptquartier auf und entsandte von dort einen Trompeter mit einem Schreiben an

___________

*) Casseler Tageblatt u. Anzeiger vom 30. November 1899 Nr. 332 und Casseler Allgem. Zeitung vom 30. November 1899 Nr. 332, vollständig abgedruckt im Hessenland, Jahrgang 1900, S. 226 fg., 243 fg.

Mittheilungen.                                                           2

..