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den Landgrafen Moritz, worin er die Aufnahme von 3—4 Kompagnien seiner Truppen und die Uebergabe der übrigen Festungen begehrte. Der Landgraf schickte darauf den Vizekanzler Deinhardt und den Oberstleutnant von Dalwig zu Tilly um mit ihm zu unterhandeln. Dieser erklärte, dass er selbst Schuld an der dermaligen Lage sei, da er den König von Dänemark ins Land gerufen habe und ermahnte ihn, lieber den Ständen und der Ritterschaft zu folgen, berief aber ohne Weiteres Beide nach Gudensberg, beantragte die Absetzung des Landgrafen zu Gunsten seines Sohnes Wilhelm und zog gleichzeitig mit Heeresmacht vor die Festung Kassel, vor der er im Niestethale vor Heiligenrode und Sandershausen ein Lager aufschlug, mit 8 Regimentern etwa 15000 Mann stark und einem grossen Tross von Weibern. Kindern und Buben. Feldwachen zur Deckung waren bis zum Siechenhofe und der Pulvermühle aufgestellt.

An der Hand einer Karte von 1624 wurden die damaligen Befestigungswerke der Stadt Kassel beschrieben, welche von Landgraf Wilhelm IV. und Moritz angelegt worden waren unter Abbruch der alten Thürme mit Ausnahme von Druselthurm und Zwehrenthurm. Die unter Wilhelm IV. errichteten Bastionen Zuckmantel (Zeugmantel) an Stelle der jetzigen katholischen Kirche mit einem Vorwerk: die Katz, nach der Brücke über die kleine Fulda, der Zwehrenberg, Todtenberg, Giessberg, Wilhelmsberg mit Castenal, und Ahnaberg mit Finkenherd waren unter Moritz nach neu italienischer Manier durch sog. Cavaliere und Ravelins verstärkt worden und wurden durch eine vortrefflich organisirte Landwehr unter dem Namen „Ausschuss“ vertheidigt. Die Stadt Kassel stellte zur Wacht und zur Vcrtheidigung 4 Kompagnien, nämlich von jedem der 4 Quartiere: Unterneustadt, Altstadt, obere und untere Burschaft (Freiheit), eine. Dazu kamen die geworbenen Truppen: Reiterei, ebenfalls in Kompagnien eingetheilt, als deren Führer genannt werden die Rittmeister v. Cappeln, v. Gilsa, v. Stockhausen u. A., im Ganzen 500 Pferde; Fussvolk unter den Capitänen v. Riedesel, Lachdorf, v. Haxthausen, v. Pappenheim, Winter, Hille, Lucan; Artillerie 103 Mann mit 176 Pferden unter dem Junker von Malsburg. Diese Truppen waren in Ermangelung von Kasernen in Bürgerquartieren untergebracht und nach einem Reglement verpflegt. In dieser Belagerungszeit wurden begreiflicher Weise die Häuser bis oben hin vollgepropft, wozu dann noch das aus den benachbarten Dörfern hereinströmende Landvolk kam, sodass bald Hunger und Krankheiten, wie die Pest, hereinbrachen und viele Opfer forderten. Die Besatzung machte zahlreiche Ausfälle, wobei heftig ,,scharmuzirt“ wurde und mehrere Gebäude in der Umgebung von Kassel, insbesondere mehrere fürstliche Schlösser zerstört wurden. Die Stadt hielt sich wacker, und Tilly entschloss sich sogar, als er wahrnahm, dass ein dänisches Heer unter seinem Könige Christian heranrücke, dem Landgrafen Moritz einen Vergleich anzubieten, wonach sich dieser dem Kaiser und Reich unterwarf und verbindlich machte, den Feinden des Kaisers keinerlei Vorschub zu leisten. So konnte die schwerbedrängte Stadt Kassel — wenn auch nur vorübergehend, — Tage der Ruhe und Erholung entgegensehen.

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