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- 20 - wirken. Wenn der Maire sonach wohl eine Ahnung von dem Bestehen der Verschwörung hatte, so kam, ihm deren Ausbruch doch ganz unerwartet. Er saß am Morgen des 22. April gegen 9 Uhr ruhig an seinem Schreibtisch, als ihm plötzlich gemeldet wurde, die Obersten v. Dörnberg und v. Langenschwarz hätten in Kassel den König verhaftet. Die königlichen Garden seien zu ihnen übergetreten, um 12 Uhr mittags solle in ganz Deutschland der Aufstand ausbrechen. Weiffenbach lasse bereits in den benachbarten Dörfern Wassmuthshausen und Rodemann Sturm läuten und reite nun weiter in die Walddörfer, um diese zu alarmieren. Maire Rodemann war sich selbst überlassen, seine im hohen Alter stehenden oder kranken Adjunkten ließen sich nicht sehen, der Friedensrichter Fenner war nach Bremen verreist und von seinem einzigen Polizeidiener macht er eine recht klägliche Beschreibung. Er eilte also auf die erhaltene Nachricht alsbald zu dem Rittmeister Müller vom 1. Kürassierregiment, machte ihm Meldung von dem Gehörten und bat ihn, Patrouillen auszuschicken, um Näheres zu erfahren. Müller lachte ihn aus, schickte aber einen Unteroffizier nach Wassmuthshausen. Rodemann ging nach Hause, um eine Meldung an den Präfekten und den Generalkommissär der hohen Polizei v. Wolff in Marburg zu schreiben. Kaum hatte er drei Zeilen geschrieben, als es auch in Homberg begann, Sturm zu läuten. Sofort eilte Rodemann, ohne Hut und Stock zum Kirchturme, um einzuschreiten, stieß hier aber auf Martin, der seine frühere Auditeuruniform mit der hessischen Kokarde und am Arm ein rotes Band mit der Inschrift „Sieg oder Tod“ trug. Als sein Adjutant fungierte der Sohn des Postmeisters Humburg. Man hat für Martin aus dem Anlegen der Uniform den Vorwurf der Eitelkeit herleiten wollen, aber wohl mit Unrecht; es war jedenfalls recht zweckmäßig, daß er sich auf diese Weise den alten Soldaten und den Bauern gegenüber eine militärische Autorität sicherte. Martin ließ den Maire sofort verhaften, kündigte ihm an, bei der geringsten Widersetzlichkeit werde sein Haus angezündet und übergab ihn dem Tuchmacher Ehrenfeld, dem „Kannibalen“, |
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