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Herr Molinäus bereitete gastliche Aufnahme, vorher und nachher stellten sich die Bürgermeister von Dreihausen und Nordeck freundlichst in den Dienst des Vereins. Herr Regierungsassessor Bredt hatte ihm in dankenswertester Weise die Wege geebnet. Der Burghof mit seinem mächtigen runden Bergfried und seinem traulichen zur Zeit der Spätrenaissance umgestalteten Wohnräumen hielt die Teilnehmer längere Zeit fest. Der Vorsitzende, Archivar Dr. Rosenfeld machte hier eingehende Mitteilungen über die Besitzer der Burg, unter denen im 13. Jahrhundert ein mainzischer Amtmann und ein Deutschordensritter erscheinen. Der letztere, Walther von Nordeck, erregt besonderes Interesse. Nachdem er 1267 mit seiner Gemahlin Lukardis seinen Sohn dem Deutschorden geweiht hatte, wurde er im nächsten Jahre selbst Ordensritter und vollbrachte später in Preußen große Heldentaten, seine Gattin aber wurde Beguine. 1336 wurde Nordeck für einige Jahrzehnte sogar Burgsitz eines jüngeren Sohnes des Fürstenhauses, Hermanns des Alteren und blieb anscheinend im Besitz der Landgrafen bis gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Im 16. und den folgenden Jahrhunderten hatten nacheinander mehrere Linien der Familie Rau zu Holzhausen die Burg zu Lehen. Auch von dem Orte unter der Burg, der 1319 Stadtrecht erhielt, aber im 16. Jahrhundert und weiterhin als Dorf erscheint, berichtete der Vortragende. — Von der Höhe des Bergfrieds genossen dann so manche wundervollen Ausblick in die sonnige Wald- und Berglandschaft. Materiell gestärkt in der Wirtschaft zu Nordeck trat man über Winnen, wo der Pfarrer gütigst die jüngst hübsch wiederhergestellte Kirche des 13. Jahrhunderts öffnete, und über Ebsdorf, wo die mächtige Dorfkirche wenigstens von außen bewundert und die Gerichtslinde betrachtet wurde, den Rückweg zur Kreisbahn an. Bei kurzem Imbiß in einer Gartenwirtschaft erstattete der Vorsitzende den Dank der Teilnehmer an General Eisentraut und an Assessor Bredt, und ersterer widmete dem guten Verhältnis der Vereine von Marburg und Kassel seine Wünsche 1) .

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1) Oberhess. Ztg. Nr. 158 v. 9. 7. 1909.

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