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Vielfach hatten die Beisassen Erfolg. Namentlich die Wälder wurden oft Gemeindewälder, und wenn auch die Nachbarn meistens Vorrechte behielten, so ist doch zur Regel geworden, daß der Erlös für Nutzholz in die Gemeindekasse fließt. Doch haben z. B. in Rhina die Nachbarn ihr Eigentum an Wald im Prozeß gegen die Gemeinde siegreich verteidigt. Noch heftiger wurde das Vorrecht der Schafhalter angegriffen, besonders in der Stadt Hünfeld. Hier war die Schafhut besonders drückend geworden, weil außer dem Huterecht der Schafhalter noch ein „Faul- oder Stichpferch“ der Metzger bestand und weil die früher im ganzen verpachteten Güter des Kollegiatstiftes ad sanctam crucem in Hünfeld (jetzt Landkrankenhaus-Land) später im einzelnen verpachtet wurden, wodurch die Brachfelder sich sehr verminderten. So berichtet 1835 der Bürgermeister, es sei „nicht zu dulden, daß das Eigentum der bei weitem größeren Anzahl hiesiger Bürger, welche nicht Schafhalter sind, ein Raub der Schafherden abgebe“. In Hünfeld wurde schließlich auch die Schafhut polizeilich verboten. Aber in den Dörfern siegten überall die Schafhalter. Das Ergebnis ist: In Waldgenossenschaft, Gemengelage, Hutgemeinschaft ragen in unsere Zeit hinein nicht unverändert, aber noch unverkennbar, Wirtschaftsverhältnisse von größter Wichtigkeit für unsere bäuerliche Bevölkerung, die entstanden sind aus der Lebensweise und den Bedürfnissen unserer germanischen Vorfahren bei Beginn unserer Zeitrechnung.

An diesen interessanten Rückblick auf die Geschichte einer Reihe unserer bäuerlichen Wirtschaftsverhältnisse knüpfte zum Schlusse der Vortragende die Frage: „Wie steht es um die Zukunft dieser altehrwürdigen Einrichtungen ?“ Die Antwort lautete: Das meiste davon, namentlich Gemengelage und Hutegemeinschaft, wird im Laufe der nächsten Jahrzehnte durch die Verkoppelungen zu Grabe getragen werden. Das mag Geschichtsfreunde und Freunde des Heimatschutzes zunächst betrüben. Aber das Endziel eines praktischen Heimatschutzes muß doch schließlich sein: möglichst vielen Volksgenossen eine möglichst gute

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