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Vom Inhalte des Berichts hat in seinem Buche
aber nur die
Mitteilung über die Ausübung der Stapelgerechtigkeit in Minden,
im ganzen 8 Zeilen, Aufnahme gefunden. Woringer.
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Eine hessische Argonautenfahrt
im Jahre 1782.
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Anspruchslos erzählt
von
einer wahrhaften
Landratte.
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1782.
Den 10. Aprill bin ich von Cassel nacher Hannöver.
Münden abgereist, um mit dem selbigen Tages ebenfals dahin marchirten
8ten Recruten-Transport, aus ohngefehr 900 Mann Jägern,
Artillerie und Infanterie-Recruten bestehend, das
Trajet1) nach dem hlöbl:2) Corps in America
anzutretten.
Den 11: und 12: bis Mittags 12 uhr
lagen die Böcke3), nachdem alles ordentlich
und richtig embarquirt war, still.
Den 12: praecise um 12 uhr wurden die Anker
gelichtet, und wir tratten die Fahrt mit 16 Böcken und den nötigen Koch-
und Provisions-Schiffen wirklich an, warfen des Abends
gegen 6 uhr an der Dorfschaft Lippoldsberg Anker und übernachteten
daselbst.
Den 13: wurden des Morgens um 6 uhr
die Anker gehoben; gegen 8 uhr kamen wir zu Carlshaven an, konnten aber
wegen eines sehr heftigen Sturmes nicht ehender, als um 2 uhr nachmittags
alda wieder abfahren und musten, wegen eines abermaligen noch heftigeren
Sturmes, ohnfern dem Dorf Wehren4)
im Corveyischen gegen halb 5 uhr Anker werffen, auch daselbst die Nacht
liegen bleiben.
Den 14: des Morgens gegen 7 uhr wurden
die Anker gelichtet und gegen 12 uhr bey dem Flecken Bolle5)
im Chur-Hannöverischen angefahren und die folgenden Schiffe
abgewartet, wovon Nr. 4 auf den Sand gefahren war. Nach deren Ankunft
ist weiter gefahren und gegen 5 uhr nahe an dem Hannoverischen Flecken
Grohnde,
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1) le trajet = die Überfahrt.
2) =
hochlöblichen.
3) Bock
= großes Weserschiff.
4) Wehrden, jetzt Kreuzungspunkt der Bahnstrecken Scherfede-Holzminden und Nordhausen-Ottbergen.
5) Polle.