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der eintretende Winter eine gewisse Ruhepause herbeiführte. Immer dichter wurde aber auch die Einschließung, immer rascher schwanden die Vorräte zusammen, immer sehnsüchtiger schaute man nach Hilfe aus. Aber der Kaiser versagte und Landgraf Heinrich war für sich dem gewaltigen Heere Karls gegenüber zu schwach. Am Jahresschluß suchte der Herzog den Landgrafen Hermann und die Stadt nochmals zur Übergabe zu bewegen, beide blieben aber standhaft. Mit dem neuen Jahr folgten neue Kämpfe, so am 6. und 20. Januar und am 12. Februar. Am 18. erschien ein Cölner Heerhaufe gegenüber der Stadt auf der anderen Rheinseite, auf den sog. Steinen, mußte aber bei neuen Sturmangriffen auf die Stadt ohnmächtig zusehen. Die Lage wurde allmählich verzweifelt, außer an Lebensmitteln begann es auch an Pulver und Schießbedarf zu mangeln. Immer heftiger drängte dazu der Feind, ein Teil der Außenwälle und der Gräben fiel in seine Hand, die Beschießung wirkte aus der Nähe um so verheerender. Trotzdem hielten die Verteidiger, durch wiederholte Briefe des Kaisers und des Landgrafen zum Ausharren ermutigt, tapfer stand. Bemerkenswert ist, daß ihnen die Briefe z. T. durch Geschosse von den Steinen übermittelt wurden. Endlich im März setzte sich das inzwischen gesammelte Reichsheer in Bewegung, aber erst am 28. Mai langte es vor Neuß an, nachdem wiederholte Sturmangriffe die Stadt zwischendurch in die größte Gefahr gebracht hatten. Der Kaiser, zu schwach um den Herzog entscheidend zu schlagen, schloß einen Waffenstillstand mit ihm ab und am 29. Mai durfte Landgraf Heinrich mit 500 Reisigen seinen schwergeprüften Bruder befreit in die Arme schließen, seine tapferen Landeskinder freudig begrüßen. Glänzende Proben althessischer Tapferkeit hatte die Besatzung abgelegt, 56 Sturmangriffe hatte sie siegreich abgewiesen, freilich auch schwere Opfer gebracht. 17 Ritter und an 700 Reisige und Fußknechte waren gefallen, auch 11 Frauen. Tapfer hatte auch die Bürgerschaft mit-gefochten. Überaus verheerend hatte das Geschützfeuer gewirkt. 17 Türme, die meisten Tore und Bollwerke waren zerstört, an 300 Häuser und Scheunen verbrannt.

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