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sie nach Möglichkeit Kapitalien, Nutzungen, Grundbesitz, ganze Vogteien für sich und ihre Kinder in Sicherheit gebracht. Eine Rettung konnte, wie die Dinge damals für die protestantischen deutschen Stände im allgemeinen und für Niederhessen insbesondere lagen, nur von Außen kommen. Der Umschwung der politischen Lage, der für die Niederlande und Schweden im Herbst 1629 eintrat, versuchte nun die Landgräfin Juliane zunächst für ihre Zwecke allein, vom Juni 1630 ab in Übereinstimmung mit ihrem Stiefsohn Landgraf Wilhelm zu benutzen.

 

Der Vortragende schilderte nun die Phasen der hessischen Politik, die über die Niederlande zum Anschluß an König Gustav Adolf führte. Er folgte hierbei der Darstellung des Dr. Struck („Das Bündnis Herzog Wilhelms von Weimar mit Gustav Adolf“), ergänzte sie nach den Akten durch die Schilderung einiger Vorgänge im Inneren Hessens, brachte sie in Zusammenhang mit den Operationen Gustav Adolfs und zeigte, von welcher Bedeutung die hessische Erhebung für den König war. Nur einzelne Punkte können an dieser Stelle berührt werden. Gegen den 10. Dezember 1630 kehrte der hessen-rotenburgische Rat Dr. H. Wolff1) von Gustav Adolf aus Stettin zurück. Der Entwurf zu einem Bündnis, den er mitbrachte, und seine Schilderung von der Persönlichkeit des Königs lassen erkennen, wie gewaltig der Zauber war, der von dem nordischen Helden ausging. Alle Vorteile und kein Risiko lagen auf Seite Gustav Adolfs, während Hessen sich bedingungslos in seine Hände gab und sich den größten Gefahren aussetzte. Von höchster Bedeutung war es für den König, im Rücken der von Westen und Süden gegen ihn vorrückenden kaiserlichen und liguistischen Heere außer aus Magdeburg auch aus Hessen einen Herd des Aufstandes zu machen. Aber auch ein so gottbegnadeter Feldherr, wie Gustav Adolf, konnte sich von den Fesseln der damaligen Kriegführung nicht freimachen. Nur soweit als er sich auf bestimmte — durch feste Plätze gesicherte — Landstriche stützen und durch deren „Contributionen" die Existenz seines Heeres sichern konnte, vermochte er vorzurücken und die Abschnitte der Oder, Warthe, Havel und Elbe zu gewinnen, Flüsse, die als strategische Barrieren und als Verkehrs- (Transport-) Linien damals eine ganz andere Rolle spielten, als in den Kriegen des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein Glück, daß in Hessen nicht solch' leichtfertige Leute wie in Magdeburg (vor Falkenbergs Ankunft) die Geschicke leiteten. Ein Bericht über den Verlauf einer Konferenz, die in Rotenburg vom 20.—23. Dezember 1630 stattfand, die bisher nur dem Namen nach bekannt war, zeigt dies. Nach gründlichen Erwägungen über die politische und militärische Lage wurden hier die Grundlinien festgelegt, die für die hessische Politik bis zum offenen Anschluß an Gustav Adolf (Mitte Juli 1631) maßgebend blieben: Man ist entschlossen zu den Waffen zu greifen, will sich

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1) Er war im Jahre 1596 als Sohn des Dr. med. Wolff, der in Marburg an der Ecke der Ritterstraße und Schloßtreppe wohnte, geboren, gehört also der Familie Wolff an, die noch heute durch die Wolffschen Stiftungen mit Marburg verbunden ist.

 

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