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nach Möglichkeit hierauf vorbereiten, aber man muß kaltes Blut bewahren, es kommt alles darauf an, den richtigen Moment zu erfassen, bis dahin soll Gustav Adolf „bei gutem Humor", der Feind in möglichster Unkenntnis der Absichten erhalten werden. Bemerkenswert ist, daß wir hier in Rotenburg außer dem Dr. Wolff, der auch als schwedischer Legat in Kassel von 1632 ab bis zu seinem Tode 1645 die gleiche Richtung vertrat, bereits zwei von den drei Männern an der Arbeit sehen, die die vertrautesten Ratgeber der hessischen Regenten während der nächsten 17 Jahre schwerster kriegerischer und politischer Verwickelungen blieben, den Geheimen Rat Dr. Nicolaus Sixtinus und den Oberstleutnant, späteren Generalleutnant Johann Geyso, ein Umstand, der schon äußerlich für die Klarheit und Konsequenz der Haltung Hessens in dem großen Kriege Zeugnis ablegt. (Als dritter kam im nächsten Jahre hinzu Karl Henrich von Günderode, dessen alle überragende Bedeutung, weil er unglücklicherweise den Titel „Hofmarschall“ führt, bisher nicht gewürdigt ist.) Die in Rotenburg gefaßten Entschlüsse entsprechen der Lage umsomehr, als wenige Wochen später Kursachsen die evangelischen Stände zu einer Versammlung nach Leipzig einlud.

 

Von dem Verhalten des Landgrafen Wilhelm auf dem Leipziger Konvent (Mitte Februar—Mitte April 1631) sagte der Vortragende: Der Landgraf hat sich keineswegs so unvorsichtig und großsprecherisch benommen, wie Rommel ihn lobpreisend schildert. Er hatte aus dem Wesen und den Geschicken seines Vaters viel gelernt, hat damals und alle Zeit vor Augen gehabt, wohin es führt, wenn leidenschaftliche Worte und große Ideen im Mißverhältnis zum Können stehen. Aber aktenmäßig steht folgendes fest: Landgraf Wilhelm hat das falsche Spiel Sachsens frühzeitig durchschaut (es wollte durch den von ihm berufenen Konvent nur das Gewicht seiner Demonstrationen gegen den Kaiser erhöhen, um für sich Vorteile zu erlangen). Er war entschlossen, sich nicht, wie die übrigen protestantischen Stände, von Sachsen weiterhin ins Schlepptau nehmen zu lassen, er wollte den lahmen Konventsbeschluß, sich kreisweise in Defensions-Verfassung zu stellen, als Vorwand für sofortige stärkere Rüstungen benutzen. Er hatte den Herzog Wilhelm von Weimar für diese Idee gewonnen, wollte großherzig und verständig, daß dieser ältere und kriegserfahrene Fürst allein das Kommando über die aufzustellenden Truppen führen sollte. Hierdurch wurde dieser etwas schwankende Fürst dauernd an Gustav Adolf gefesselt, andererseits wurde das Gewicht der deutschen Fürsten dem Könige gegenüber erhöht, sein in dem Stettiner Bündnisentwurf verlangtes directorium absolutum vermieden. Während alle anderen protestantischen Stände, durch Drohungen des Kaisers eingeschüchtert, in ihre abwartende Passivität zurückfallen, setzt in Hessen sofort nach der Rückkehr des Landgrafen (12. oder 13. April) eine planmäßige, energische, rastlose Tätigkeit ein. Aber unter welchen Schwierigkeiten: Noch liegen Abteilungen des Magdeburg belagernden Tilly im Lande. Von kaiserlichen Agenten und Spionen wird jeder Schritt belauert. Es fehlt an Waffen und Kriegsmaterial und vor allem an Geld. Nur die rücksichtsloseste Hingabe der Untertanen

 

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