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in allen Schichten ermöglicht es, daß bis Mitte Juni 3 Infanterieregimenter unter den Obersten Johann und Kurt H. v. Uff ein und Johann Geyso und 2 Kavallerieregimenter unter den Obersten Franz Elgai und Kurt v. Dalwigk durch Werbung altgedienter Söldner und Einstellung von hessischem Landvolk annähernd komplett und verwendbar sind. Das Land war in 9 Quartiere geteilt, in jedem leitet „Einer vom Adel“ als sog. „Landkommissarius“ die Unterbringung und Verpflegung.
Den auf dem Kreistage in Frankfurt abwesenden Landgrafen, der dort seine erste Enttäuschung durch die mattherzigen, kurzsichtigen Mitglieder des Oberrheinischen Kreises erlebt, vertritt der 26jährige feurige Herzog Bernhard von Weimar. Sein in Thüringen formiertes Regiment wird nach Hessen herangezogen.
Da fällt am 10. Mai Magdeburg. Das seit 8 Monaten dort gefesselte Heer wird frei. Wahrhaft niederschmetternd wirkt diese Kunde in allen protestantischen Kreisen. Selbst ein so tüchtiger Fürst, wie Herzog Wilhelm von Weimar, gab jeden Gedanken an Widerstand auf. Ungefähr an demselben Tage, da die hessischen und weimarischen Abgesandten, Dr. Wolff und Dr. Häusner, den in Spangenberg am 23. April entworfenen Bündnisvertrag dem König Gustav Adolf in seinem Feldlager bei Potsdam vorlegen, begibt Herzog Wilhelm sich zu dem schwedenfeindlichen Kurfürst von Sachsen, entläßt seine Truppen und sucht jede Spur der Annäherung an Gustav Adolf zu verwischen. Jetzt zeigt sich der Landgraf in seiner ganzen Seelengröße und Charakterstärke. Er denkt nicht daran, dem Rat und Beispiel seines bisherigen Verbündeten zu folgen: auch die Drohungen Tillys, der am 24. Mai mit dem Gros seiner Armee von Magdeburg gegen Hessen aufbricht, schüchtern ihn nicht ein. Er setzt zwar seine Bemühungen, Tilly über seine Absichten zu täuschen und Zeit zu gewinnen, fort, aber ebenso beharrlich seine kriegerischen Vorbereitungen. Zum Glück nötigt die Rücksicht auf den Kurfürst von Sachsen, der unter Gustav Adolfs und Tilly's zunehmender Pression dem ihm nächsten und gefährlichsten Heerführer zuzufallen droht, das kaiserlich-liguistische Heer zweimal zu längerem Stilliegen in der Gegend von Oldisleben und Mühlhausen i. Th. Nur seine Vortruppen streifen in der zweiten Hälfte des Juni bis Eschwege und Wanfried. Doch jetzt im Augenblick der größten Gefahr trat auch der Umschwung ein. Am 4. Juli gelingt es Gustav Adolf Tangermünde zu erobern. Mit den bei Werben am Einfluß der Havel in die Elbe rasch entstehenden großartigen Verschanzungen haben die Schweden dauernd auf dem linken Eibufer festen Fuß gefaßt. Tilly muß sich notgedrungen, am 9. Juli, von Mühlhausen aufbrechend, gegen den König wenden. Der in Rotenburg im Dezember als entscheidend erkannte Moment war gekommen. Jetzt, nicht am Osterfest, wie Rommel angibt, ließ der Landgraf die Maske fallen; an einem besonderen Bettage, am 10. Juli verkündeten die Geistlichen von den Kanzeln seinen Entschluß zum Kampfe und seine Truppen gingen zum Angriff gegen die im Lande befindlichen Feinde über. Am 26. Juli brach der Landgraf unter großen persönlichen Gefahren auf, um mit dem
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