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Könige in Werben das bekannte Bündnis abzuschließen, während Herzog Bernhard wieder die Leitung der hessischen Kriegsangelegenheiten übernahm. In den Tagen vom 15. bis 20. August vertrieb er die Kaiserlichen aus den Stiftern Hersfeld und Fulda, und in der Nacht zum 30. August setzte sich der erst tags vorher nach Kassel zurückgekehrte Landgraf durch Überfall in den Besitz des mainzischen Fritzlar. Während in der ersten Septemberwoche die militärischen und politischen Ereignisse zu der großen Entscheidungsschlacht in der Ebene von Leipzig (Breitenfeld) drängten, da wenden sich die neuformierten hessischen Truppen unter des Landgrafen Führung gegen die Heeresteile von Aldringen und Graf Fugger, die durch den Friedensschluß in Italien freigeworden der besorgte Kaiser auf Hessen dirigiert hatte, um dort den Aufstand im Keim zu ersticken. Zwei hübsche militärische Erfolge bei Rotenburg und Vacha erweckten frohe Hoffnungen in Hessen und legen Zeugnis ab von der kühnen Initiative der hessischen Führung und der Brauchbarkeit der neuformierten Truppen.
Überblicken wir diesen Abschnitt unserer heimatlichen Geschichte in seinen verschiedenen Wechselwirkungen, so ist unschwer seine weltgeschichtliche Bedeutung zu erkennen. Wittich („Magdeburg, Gustav Adolf und Tilly“) sagt: „Der Aufstand in Hessen war, was jener (nämlich der Magdeburger) trotz der Berechnungen nicht gewesen, eine Rakete zum Universalaufstand, bestimmt, ganz Mittel-Deutschland in Brand zu setzen.“ Diese Absicht und Hoffnung des Königs ist zwar bei dem mattherzigen, unklaren, zwiespältigen Wesen der damaligen protestantischen Stände nicht in Erfüllung gegangen. Erst der große Sieg Gustav Adolfs bei Breitenfeld am 10. September änderte ihre Haltung. Aber gewaltig sind die Vorteile, die dem Schwedenkönig aus Landgraf Wilhelm's mutigem, standhaftem Verhalten und der hessischen Untertanen treuer Hingabe erwachsen sind. Es ist merkwürdig, wie früh das Gerücht Hessen als den Herd eines großen Aufstandes bezeichnete und wie frühzeitig und stark die Maßnahmen der Gegenpartei durch dieses Gerücht beeinflußt sind Nach dem Fall von Magdeburg veranlaßten die übertriebenen Gerüchte von hessischen Rüstungen den feindlichen Oberfeidherrn mit der Hauptarmee auf Hessen zu marschieren. Ob ohne diesen Marsch auf Mühlhausen, mit dem 6 Wochen verloren gingen, es Gustav Adolf gelungen wäre, auf dem linken Elbeufer festen Fuß zu fassen, ist fraglich. Sicher ist, daß die Entfernung Tilly s nach dieser Richtung den Kurfürsten von Sachsen höchst widerwillig in die Arme des Schwedenkönigs getrieben hat. Welche Bedeutung der Kaiser und das Haupt der Liga, der Kurfürst von Bayern, der niederhessischen Gefahr beilegten, das zeigt der Marsch Aldringers und Fuggers auf Hessen. Die widersprechenden ordres und contreordres, die beide Ende August und Anfang September vom Kaiser, von Kurfürst Maximilian und von Tilly erhielten, als die Entscheidung in Sachsen heranreifte, haben nach dem Urteil Hallwichs, des besten Kenners des kaiserlichen Heerwesens und der kaiserlichen Kriegführung „in allererster Linie die Katastrophe verschuldet, die nun mit elementarer Gewalt hereinbrach“. Und nach der Niederlage bei Breitenfeld bestimmt
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