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wieder in erster Linie der Gedanke an die hessische Erhebung die Rückzugslinie Tillys über Höxter nach Niederhessen. Er raffte zusammen, was noch irgend an Truppen in den festen Plätzen im Nordwesten des Reiches abkömmlich war und dirigierte alles auf Hessen. Die Scharen Tillys, die in den letzten Tagen des September und den ersten des Oktober von der Diemel, westlich an Kassel vorbei, quer durch Hessen auf Fulda ziehen, bringen dem Lande zwar neue tiefe Wunden bei, aber die an die Festungen Kassel und Ziegenhain angelehnten Truppen können sich nicht nur behaupten, sondern dem noch stark erschütterten Feinde großen Abbruch tuen. Das Wichtigste aber ist: Gustav Adolf, von jeder Rücksichtnahme auf den Feind befreit, kann in eilendem, einem Triumphzuge gleichenden Marsch Thüringen und Franken durchziehen. Die wichtigen Plätze Erfurt und Würzburg fallen fast ohne Widerstand in seine Hände. Deutschland bis zum Main und Rhein liegt zu den Füßen des nunmehr von den Abgesandten der sämtlichen protestantischen Fürsten und Städte umdrängten nordischen Helden. Seine Macht und sein Prestige sind auf ihrem Höhepunkt angelangt. Der Protestantismus in Deutschland, der 1629 dem sicheren Untergange geweiht schien, kann sich in harten, schweren Kämpfen seine Duldung und Gleichberechtigung erkämpfen. ______
Erinnerungen des Stallmeisters Alban. 1866.Der Verfasser der folgenden, dem Verein für hessische Geschichte und Landeskunde von dessen Hinterbliebenen zum Geschenke gemachten Aufzeichnungen, der kurfürstlich hessische Stallmeister Paul Alban, war ein Sohn des Pfarrers Alban in Breesen, der im Jahre 1818 aus der Prima des Neubrandenburger Gymnasiums als Freiwilliger in das mecklenburg-strelitzsche Husarenregiment eintrat und im Gefecht bei Wartenburg am 3. Oktober 1813 den Kommandeur der kgl. westfälischen Chevaulegersgarde, Major Szmauch1), vom Pferde hieb und zum Gefangenen machte. Der Verfasser selbst war zuerst hannoverscher Kavallerieoffizier und trat anfangs der 1850er Jahre als Stallmeister in den kurfürstlich hessischen Hofdienst. Nach der Einverleibung des Kurfürstentums in den preußischen Staat pensioniert, starb er in Kassel im Jahre 1910 in hohem Alter. — Er war ein durchaus zuverlässiger und __________ 1) Vergl. Denkwürdigkeiten des mekl.-strelitzschen Husarenregiments Neubrandenburg, 1854, S. 101 und 110 ff. Der Westfale wird dort Wolff genannt, was nicht zutrifft. Baron Wolff, der nur gemeint sein kann, war allerdings früher Kommandeur der Chevaulegersgarde, seit 16. 4. 1812 aber schon Brigadegeneral und führte im Feldzug 1813 die aus der westfälischen Chevaulegersgarde, einem bayerischen und einem hessischen Regiment bestehende 29. leichte Kavalleriebrigade bis nach der Schlacht bei Leipzig. Szmauch dagegen führte die Chevaulegersgarde und wurde tatsächlich bei Wartenburg gefangen.
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