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gewissenhafter Mann und die Richtigkeit seiner Aufzeichnungen ist deshalb nicht zu bezweifeln. Woringer. ______
Erlebnisse zu Wilhelmshöhe vor dem Kriege 1866.Eines Tages machte des Kurfürsten Sohn, Prinz Moritz von Hanau, auf Wilhelmshöhe mit dem Österreichischen Gesandten Grafen Paar1) und den beiden Attaches einen Spaziergang; einige Herren des Hofes, worunter auch ich, befanden sich in der Begleitung. Im Laufe des Gesprächs hörte ich, wie Graf Paar zum Prinzen sagte: „Durchlaucht können dem Kurfürsten nur sagen, daß, wenn er sich uns anschlösse, und es käme zum Kriege zwischen Österreich und Preußen, Se. Kgl. Hoheit für den Fall, daß Österreich die Oberhand behält, was wir fast als sicher annehmen, durch ein Stück von Westfalen entschädigt werde.“ ______ Eines Nachmittags stand ich an einen Baum gelehnt, die schöne Aussicht nach Kassel genießend, auf der Esplanade. Zufällig erblickte ich in der Nähe des Treibhauses den österreichischen Gesandten Grafen Paar und seine Attaches in eifrigem Gespräche mit dem Kurfürsten. Plötzlich kam der preußische Gesandte General von Röder2), wie es schien, sehr eilig angefahren, da er ausnahmsweise sofort zum Schlosse fuhr. Für gewöhnlich fuhren die Herren erst beim Hotel3) vor und begaben sich dann zu Fuß ins Schloß. Wie der Kurfürst den General von Röder im offenen Wagen sah, verbarg er sich mit den österreichischen Herren hinter einem großen Blumenklump. Der General ward natürlich im Schlosse abgewiesen und kam sofort zurückgefahren. Wie er weit genug fort war, warfen die Attaches ihre Hüte hoch in die Luft und riefen dabei immer ,,Hurrah!“ Ich erkannte daraus, daß bei den Verhandlungen mit dem Kurfürsten Österreich gesiegt und der Kurfürst für das Festhalten an Österreich gewonnen war.
Eines Abends begegnete ich vor dem Hotel zu schon ziemlich später Stunde dem Generaladjutanten v. Meyerfeld4), der mich bat, __________ 1) Kaiserl. Kgl. wirkl. Kämmerer Ludwig Graf Paar, geboren 26. März 1817, gest. 6. Januar 1893. 2) Generalmajor Maximilian Heinrich von Röder. 3) Hotel Schombardt, jetzt Stecker. 4) Ferdinand Alexander Ludwig von Meyerfeld, geb. 11. 11. 1808, war Kadett und Page, trat 15. l. 1826 als Portepee-Fähnrich im Leibgarderegt, in die kurhessische Armee ein, wurde darin 20. 4. 1826 Sekond- und 23. 8. (26. 7.) 1835 Premierleutnant, und 28. 6. (18. 6.) 1843 Hauptmann, 6. 6. 1847 Hauptmann im Generalstab, war 1849 als solcher Chef des Generalstabes der Bundes-Reserve-Division 2. Aufgebots im Sundewitt, wurde 7. 4. 1851 zum 3. Inf.-Reg. versetzt, 9. 4. 1852 wieder zum Generalstab, 27. 5. 1852 Major und 19. 8. 1854 Oberstleutnant darin, 30. 9. 1856 Chef des Generalstabs, 2. 10. 1858 als solcher Oberst, erhielt 16. 8. 1863 den Charakter als Generalmajor und wurde Generaladjutant, 2. 1. 1864 wieder Chef des Generalstabs, 24. 11. 1865 wirklicher Generalmajor,
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