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mit ihm in die Gaststube zu kommen. Er wolle den österreichen Gesandten Grafen Paar sprechen, welcher noch so spät sich beim Kurfürsten befände, und wolle demselben mal seine faulen österreichischen Verhältnisse und seine lügnerischen Versprechungen bezüglich der Hilfeleistung für den Fall eines Krieges mit Preußen klar machen. — Endlich, es war 12 Uhr geworden, erschien der Graf und setzte sich zu uns. Jetzt fing der General an, ihm die Fäulnis seiner Diplomatie und Österreichs Schwäche so derbe klar zu machen, daß der Graf immer blässer wurde und zuletzt ohnmächtig vom Stuhl sank. Darauf sagte der General zu mir: „So, nun kommen Sie und lassen Sie ihn ruhig liegen.“ Wie wir über die Hausdiele gingen, sagte General v. Meyerfeld zu einem dort stehenden Kellner: „Gehen Sie in die Stube, da liegt Jemand auf der Erde.“ ______ Nachdem ich durch die Hintertreppe des preußischen Gesandten, General v. Röder, vieles über preußische Rüstungen und Truppenmärsche erfuhr und alles dem Kurfürsten wieder mitteilte, äußerte derselbe eines Tages, er könne nicht anders handeln, seine Frau1) wollte es einmal so, aber daß er dabei sein Land verlöre, sei nicht unmöglich. — Auch wie ich dem Kurfürsten mitteilte, daß jetzt der Durchmarsch des wesfälischen Armeekorps durch Kassel beginnen werde2), äußerte er etwas bedenklich, aber doch scherzhaft: „Wenn nur der Schwanz nicht in Kassel hängen bleibt!“ —
Wie die Verhandlungen zwischen Preußen und Österreich noch nicht abgebrochen waren, kam plötzlich wie von dort geflüchtet, die sogenannte eiserne Brigade von Holstein durch Kassel nach Österreich zurück3). Der Brigadestab wurde auf dem Wilhelmshöher Bahnhof vom Kurfürsten und der Fürstin von Hanau sehr gnädig und feierlich empfangen. __________ wurde 17. 5. 1866 Kriegsminister, trat 30. 10. 1866 in preußische Dienste als Generalmajor und Kommandeur der 14. Infanteriebrigade, 11. 7. 1870 als Generalleutnant mit Pension zur Disposition gestellt. War während des Krieges 1870/71 Kommandant von Frankfurt a. M. Er starb zu Kassel 28. 10. 1882. 1) Gertrude, Fürstin von Hanau, Gräfin von Schaumburg. Vergl. Mitteilungen 1805/6, S. 50. 2) Es war eine Division des 7. (westfäl.) Armeekorps, die mit dem 8. Armeekorps zusammen die Eibarmee unter Herwarth von Bittenfeld bilden sollte. Ihr Durchzug währte vom 27. Mai bis 5. Juni 1806. Amtlich wurde davon keine Notiz genommen. 3) Die Brigade Kalik passierte Kassel am 13. und 14. Juni 1866. Zu ihrem Empfang erschienen auf Befehl des Kurfürsten die Offizierkorps der Kasseler Truppenteile am Bahnhofe, wo die Musik des Leibgarderegts. spielte. Der Unterschied in der Behandlung der durchführenden preußischen und österreichischen Truppen veranlaß te den preußischen Gesandten, mit seiner Abreise zu drohen. Er begnügte sich aber mit einer an sich kaum genügenden Rechtfertigung der kurhessischen Regierung.
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