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Darauf kam noch ein letzter Abgesandter von Österreich, ein Major v. Wimpfen1), welcher zur Tafel gezogen wurde und nach derselben eine lange Unterhaltung mit der Fürstin von Hanau gehabt hatte.

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Wie unwissend die Österreicher noch über preußische Militärverhältnisse waren, beweist schon, daß, wie der Herr Major die Aufwartung betrat, worin sich der diensttuende Ordonanzoffizier Hauptmann Ronneberg2) und ich uns befanden, er sofort auf den Hauptmann Ronneberg zueilte und diesen bat, ihn doch etwas über das preußische Zündnadelgewehr aufzuklären, weil sie in Österreich beschlossen hätten, die Wirkung desselben nur durch Bajonettangriff auszugleichen. — Es kam zu keiner Auseinandersetzung, weil der Herr Major sofort zum Kurfürsten befohlen wurde. Der Herr Hauptmann äußerte nachher: „was werden die armen unwissenden Österreicher reinfallen!“

 

Alle meine Mitteilungen, welche ich dem Kurfürsten machte, erfuhr ja natürlich die Fürstin von Hanau, und es wurde mir daraufhin von ihr der Zutritt zum Schloß und zum Kurfürsten streng untersagt. Ich erhielt erst wieder Zutritt zum Kurfürsten, wie die Fürstin von Hanau von Wilhelmshöhe nach Hanau abgereist war3). Auch der Sohn des Kurfürsten, Prinz Karl von Hanau, welcher in Kassel bei der Artillerie diente, wurde nach Wilhelmshöhe befohlen, weil er sich durch sein Offizierskorps zu viel Sympathie für Preußen angeeignet hatte.

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Wie der Krieg erklärt war, fragte mich eines Tages auf

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1) Franz Alfons Maximilian Philipp, Graf von Wimpffen, geboren 23. Aug. 1828, k. k. Oberst und Kommandeur des Inf.-Regts. Kronprinz von Preußen Nr. 20, wurde 27. Juni 1866 bei Nachod schwer verwundet und starb 22. Juli 1866. Seine Anwesenheit in Kassel fällt übrigens zeitlich vor den Durchzug der preußischen und österreichischen Truppen. Der Zweck seiner Sendung, den Kurfürsten zum Anschluß an Österreich zu bewegen, wurde vorläufig nicht erreicht.

2) Albert Ronneberg, geb. 1821, Kadett, wurde 30. 7. 1846 Sekondleutnant im 1. Inf.-Regt., erhielt 12. 11. 1850 den infolge des Verfassungskampfes erbetenen Abschied, trat 30. 12. 1850 wieder ein, wurde 20. 8. 1851 Premierleutnant im 1. Inf.-Regt., 14. 4. 1852 Adjutant der 2. Inf.-Brigade, 5. 5. 1859 Hauptmann, 1864 Divisionsadjutant, wurde 17. 6. 1866 dem Stabe des Generalmajors v. Schenk zu Schweinsberg, der die Kasseler Garnison nach dem Süden führte, beigegeben und von diesem am 18. und 19. desselben Monats ausgesandt, um die Verbindung mit den Bayern, bezw. dem Prinzen Alexander von Hessen herzustellen. Er trat später zum Stabe des Generalmajors v. Lossberg über. Er trat 30. 10. 1866 in preußische Dienste als Hauptmann und Komp.-Chef im Inf.-Regt. Nr. 81, wurde 25. 9. 1867 Major im Inf.-Regt. Nr. 23, 1870 Bat.-Komdr. Fiel 30. 9. 1870 bei L'Hai vor Paris.

3) 15. (?) Juni 1866.

 

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