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der hessischen Grenze gestanden hätte, aber alles heute morgen auf Münden zurückmarschiert sei; wo sich der König aufhalte, wüßten sie nicht1).
Weil ich nun einsah, daß ich meinen Auftrag nicht ausführen konnte, eilte ich wieder nach Kassel zurück. Dort angekommen, traf ich auf dem Friedrichsplatz noch eine hannoversche Husarenpatrouille mit dem Leutnant von Hattorf, welchen ich noch von Hannover kannte; als ich diesen begrüßte, fragte er mich sehr aufgeregt, ob die Infanterie, welche oben vor der Kommandantur, Preußen seien: wie ich ihm dasselbe bejahte, machte er, ohne mich weiter zu beachten, rasch kehrt und die Patrouille ritt im schnellsten Tempo davon. Also während meiner Abwesenheit war schon eine Abteilung Preußen in Cassel eingerückt2). Außerdem traf ich noch am Friedrichsplatz den Herrn Obervorsteher v. Trott3) mit dem französischen Attache Herrn Fontenai4); ersterer meinte, weil der Kurfürst ja noch auf Wilhelmshöhe sei, würden die Preußen sicher nicht weiter, als die kleine Abteilung dort oben, in Kassel einrücken, worauf ihm der Herr Fontenai erwiderte: „Wenn sie aber einrücken, sind sie wie die Kletten und gehen nicht wieder heraus". Darauf ritt ich nach Wilhelmshöhe zurück und stattete dem Kurfürsten meine Meldung ab, was ich auf meinem Ritt erfahren hatte.
Außerdem hatte ich in dieser Zeit Abends 11 Uhr5) im Wirtshaus zu Wilhelmshöhe einen mir noch von früher her bekannten Offizier, den Rittmeister von Schnehen, angetroffen, welcher in der __________ 1) Die Nachricht war unrichtig. Die hannoversche Armee stand am 19. Juni noch in Göttingen und Umgebung, der König selbst war in Göttingen. Nur die 4. Inf.-Brig. stand am 18. Juni nördlich von Münden. Auf die Nachricht vom Anrücken der Preußen sandte ihr Kommandeur, Generalmajor v. Bothmer, am 19. Juni das 3. Jägerbat, und die 2. Eskadron des Gardehusarenregts. zur Aufklärung vor. Diese Abteilung besetzte Münden und schob die 4. Jägerkomp. und 2 Züge Husaren bis Landwehrhagen, von wo Generalmajor v. Bothmer, der selbst dort eintraf, den Rittmeister von der Wense, den Brigadeadjutanten Premierleutnant Vogt und 20 Husaren nach Kassel patrouillieren ließ. Daß auch der Leutnant v. Hattorf dieser Patrouille angehörte, wird von v. d. Wengen nicht erwähnt, dessen Bericht über den Aufenthalt der Patrouille in Kassel in mehreren Punkten unzutreffend ist. Nach der Rückkehr der Patrouille räumten die Hannoveraner alsbald Landwehrhagen und gingen nach Münden zurück, (v. d. Wengen, Geschichte der Kriegsereignisse 1866, S. 384 ff.). 2) Es war die 2. Komp. Füsilierregts. Nr. 39 unter Hauptmann v. Zeuner, bei der sich der Regts.-Komdr. Oberst v. Woyna befand. Sie kam von Guntershausen mit der Eisenbahn, besetzte den Bahnhof und marschierte dann zum Friedrichsplatz. 3) Obervorsteher des Stifts Kaufungen mit Wetter Otto v. Trott zu Solz. 4) Legationssekretär Vicomte Charles de Fontenay. 5) Am 15. Juni 1866.
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