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späten Abendstunde noch in geheimer Sendung des Königs von Hannover ins Schloß zum Kurfürsten ging.
Aus der ganzen Sachlage geht daher eigentlich deutlich genug hervor, daß beide Herrscher ein geheimes Abkommen getroffen hatten, ihre Truppen vor Kassel zu vereinigen und so die Preußen, welche im Anrücken auf Kassel waren, gemeinschaftlich anzugreifen1).
Um das Übereinkommen beider Herrscher zu verschleiern, wurde ich zu dieser Sendung benutzt und nicht ein Flügeladjutant, zu dessen Dienst ein solcher Auftrag doch eigentlich gehörte. ______ General von Röder, preußischer Gesandter, und die Einschließung des Schlosses Wilhelmshöhe.Am Tage nach meinem Ritt zum König von Hannover — die Preußen hatten Kassel bereits besetzt — sah ich den preußischen Gesandten, General v. Röder, ins Schloß zum Kurfürsten gehen. Um vielleicht etwas neues zu erfahren, beschloß ich die Rückkehr des Herrn abzuwarten und ihn dann zu begrüßen. Es glückte mir. Als der General über die Esplanade ging, suchte ich ihm zu begegnen und grüßte. Sogleich trat der Herr auf mich zu und sagte in einer furchtbaren Aufregung zu mir: „Herr Stallmeister, jetzt ist ihr Kurfürst verloren; soeben hatte ich demselben einen __________ 1) Man wird dieser Annahme Albans beitreten müssen, wenn auch von einem derartigen Übereinkommen bisher nichts bekannt war. Über die Verhandlungen zwischen dem König von Hannover und dem Kurfürsten berichtet der gut unterrichtete v. d. Wengen (a. a. O. S. 128, 361), am 16. Mai 1866 sei der Regierungsrat Meding nach Kassel geschickt worden, um den Kurfürsten für eine gemeinschaftliche Neutralhaltung zu gewinnen. Die Sendung blieb ohne Erfolg, weil sich der Kurfürst zu einer bestimmten Erklärung nicht entschließen konnte. Nachdem die hannoverschen Truppen dann schon bei Göttingen vereinigt waren, sandte der König am 15. Juni den Rittmeister v. Schnehen nach Wilhelmshöhe mit der Aufforderung, der Kurfürst möge seine Truppen mit den Hannoveranern vereinigen, v. Schnehen traf am 15. abends in Wilhelmshöhe ein. Bei der nach v. d. Wengen am 16., morgens 7 Uhr, nach Alban bereits am 15., abends 11 Uhr, jedenfalls aber vor dem Befehl des Kurfürsten zum Abmarsch der hessischen Truppen nach dem Süden, stattgehabten Audienz war der Kurfürst zu einer solchen Vereinigung geneigt, wenn der sofortige Heranmarsch der Hannoverschen Truppen in der Richtung nach Kassel mit Sicherheit versprochen werden könne. Da v. Schnehen ein solches Versprechen nicht geben konnte, lehnte nach v. d. Wengen der Kurfürst den Vorschlag der Vereinigung beider Truppenkorps ab, worauf v. Schnehen alsbald mit einem Handschreiben des Kurfürsten zum König nach Göttingen zurückeilte. Nach Albans durchaus glaubwürdiger Darstellung muß man wohl annehmen, daß die Ablehnung des hannoverschen Vorschlags, wenn sie überhaupt erfolgte, eine ganz bestimmte nicht gewesen ist.
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