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eigenhändigen Brief meines Königs zu übergeben, er nahm ihn an, machte dann mit der Hand und dem Brief eine unanständige Bewegung und warf den Brief darauf so auf den Tisch, daß er zur Erde flog.“ — Beim Fortgehen sagte der Herr General noch zu mir: „Ich glaube, Sie können bald für den hohen Herrn eine Equipage bereit halten.“ — Am folgenden Tage vollzog sich auch schon die Einschließung des Schlosses durch preußische Infanterie1) in folgender Weise:

 

Es war nachmittags 4 Uhr, ich saß gerade im Schloß und aß zu Mittag. Plötzlich erschienen vom Schloßflügel Weißenstein aus drei preußische Infanteristen, darauf kamen, vielleicht auf 50 Schritt Abstand, fortwährend drei weitere Soldaten, so lange, bis das Schloß mit einer Postenkette dicht umstellt war.

 

Wie ich gegessen hatte, ließ mich der Kurfürst einer Dienstsache wegen zu sich befehlen. Im Laufe des Gesprächs sagte er zu mir: „Sehen Sie mal, das wollen preußische Truppen sein! nette Gesellschaft! Da steht sogar ein Posten und raucht eine kurze Pfeife!“ Als ich das Schloß verließ, wurde mir vom Kommandeur der Truppe befohlen, sofort einige Fuhren mit Holz zum Schloß zu fahren, mit der Bemerkung, „hier oben sei kurfürstliches Holz zur Genüge“. Ich ließ also anspannen und mehrere Fuhren dorthin schaffen, ein Unteroffizier wies den Kutscher jedesmal an, wohin die Fuhren abgeladen werden sollten. Sofort machten sich andere Soldaten daran, das Holz klein zu schlagen. Darauf wurden von dem kleingemachten Holz auf vielleicht alle 15 bis 20 Schritte einzelne Haufen am ganzen Schloß entlang, und gerade vor den Wohnzimmern des Kurfürsten aufgestellt. Bei anbrechender Dunkelheit wurden dann alle Holzhaufen angezündet, sodaß die ganze Vorrichtung am Abend wirklich einen unheimlichen Eindruck machte. Nachdem die Holzhaufen abends spät ausgebrannt waren, verlief die übrige Nacht ruhig.

 

Am anderen Morgen hatte sich im Saal auf der Esplanade eine starke Infanteriewache gebildet und es vollzog sich an diesem Tage die Aufstellung einer zweiten, ja sogar dritten Postenkette um das Schloß, und zwar so dicht, daß nicht allein alle Baulichkeiten, sondern auch ein großer Teil des umliegenden Parks zur Einschließung mit hineingezogen waren.

 

Jetzt kam der Befehl, daß niemand aus der Einschließung herausdürfe, dagegen alles, was von unten mit Erlaubnis der Feldwache herauf käme, müßte sehr streng untersucht werden, um alle verbotenen Einschmuggelungen, vorzüglich an Briefschaften für den Kurfürsten, zu verhindern. Auch wurden die Postenketten weiter vom Schloß zurückgestellt, sodaß sich der Kurfürst wenigstens auf der Esplanade und um das Schloß herum bewegen konnte. Durch diese starke Einschließung schien dem hohen Herrn die ganze Sachlage doch bedenklich zu werden.

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Die Kompagnie Spoenla lag auf der Domäne Wilhelmshöhe

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1) Es war die 10. Komp. des Inf.-Regts. Nr. 32 unter Hauptmann Spoenla.

 

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