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Mit mir wurde der Anfang gemacht. — Ich aß im Schloß täglich um 4 Uhr zu Mittag; ich mußte aber jeden Tag den Herrn Kommandanten erst um Erlaubnis fragen, ob ich zu Tische gehen dürfe. — Eines Tages suchte ich den Hauptmann v. Lettow und fand ihn auf der Esplanade auf Stroh liegend, einen Eiskühler mit einer Flasche Champagner, welcher sogar aus der Hofkellerei geliefert war, neben sich. Wie er mir die Erlaubnis gab, daß ich zu Tisch gehen dürfe, merkte ich, daß ihm der Champagner gut geschmeckt hatte. Kaum hatte ich meine Suppe gegessen, so rief mir schon ein Aufwärter durch die etwas geöffnete Tür zu: „Der Hauptmann von Lettow schreit draußen: „Unteroffizier und zwei Mann, den Stallmeister arretieren!““ Es dauerte auch nicht lange, so erschien der Unteroffizier und sagte: „Herr Stallmeister, Sie sind Arrestant, bitte, folgen Sie mir nach der Hauptwache.“ Diese befand sich in dem großen Saal auf der Esplanade. Daselbst angelangt, sagte der Unteroffizier zu mir: „Sie gelten als ein treuer Diener Ihres Herrn und werden beschuldigt, geheime Briefschaften von Süddeutschland an den Kurfürsten zu befördern. Ich habe den Auftrag, Sie zu untersuchen, bitte, ziehen Sie sich ganz aus.“

 

Beim Betreten des Saales warf ich meine Mütze seitwärts auf einen Tisch, so daß die offene Seite derselben nach oben fiel, denn der innere Boden war ja gefüttert. Nachdem ich mich gänzlich entkleidet hatte und untersucht worden war, ja sogar das letzte Kleidungsstück mußte ich auch noch aufheben, wurde nichts gefunden. Ich kleidete mich wieder an und ging ins Schloß, um weiter zu speisen.

 

Jetzt kamen die Herren Adjutanten an die Reihe, die oben auf der Wache1) wohnten. Diesen Herren stellte der Herr v. Lettow einen Posten unten vor der Türe auf und sie durften einige Tage ihre Wohnung nicht verlassen.

 

Nun ging seine Liebenswürdigkeit sogar zum Kurfürsten über. Nachdem er eines Morgens die Milchbrote, welche der Kurfürst zum Kaffee haben sollte, mit dem Bemerken durchgebrochen hatte2), der Kurfürst brauche kein Weißbrot zum Kaffee, ging er noch weiter, und stellte dem Kurfürsten 2 Posten vor sein Wohnzimmer, damit er seine Wohnung nicht verlassen durfte. Die Besorgnis des Herrn v. Lettow für den Kurfürsten ging sogar so weit, daß er eines Tages unangemeldet das Zimmer des Kurfürsten betrat, mit der Bemerkung: „er möchte gern Königliche Hoheit persönlich kennen lernen“.

 

Ob diese liebenswürdige Behandlung des Hofes allein durch die Machtvollkommenheit des Hauptmanns v. Lettow entstanden war, möchte ich fast bezweifeln, zumal ich gerade in dieser Zeit den General v. Röder und den Hauptmann v. Lettow hinter der Haustür des Hotels überraschte, als sie in einem sehr lebhaften Gespräch begriffen waren.

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1) Im ersten Stockwerk der Schloßwache neben dem Hotel. Um zu sehen, ob Briefe darin verborgen seien.

2) Um zu sehen, ob die Briefe darin verborgen seien.

 

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