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Entlassung des Ministeriums.

Nachdem schon die strenge Einschließung von Wilhelmshöhe sehr nachgelassen hatte und nur noch der Kurfürst selbst strenge bewacht wurde, hatte derselbe sein Ministerium zu sich befohlen. Ich befand mich gerade wegen einer Dienstsache beim Kurfürsten, als er, bevor er mich entließ, zu mir sagte: ich solle ins Billardzimmer gehen und dort warten, es würden sich daselbst auch die Minister versammeln und ich solle Zeuge sein, wie er sein Ministerium entlasse.

 

Wie ich das Zimmer betrat, standen die Herren, ausgenommen den Kriegsminister, schon rechts in der Ecke neben der Tür. Gleich darauf erschien auch der Kurfürst und begrüßte die Herren beim Eintreten mit den Worten: „Da steht ja die Bande!“ Darauf warf er seinem Ministerium vor, daß sie allein an seinem Unglück schuld seien und daß er sogar sein Land verlieren könne. Der Herr Minister Abee, welcher hinten in der Ecke stand, sagte mit weinender Stimme: „Ja, Königliche Hoheit, wer hätte gedacht, daß es so kommen könnte!“ Als der Kurfürst darauf immer heftiger wurde, sich sogar mit dem Rücken an die Wand legte und in der größten Aufregung sich noch mit der rechten Hand an eine Stullehne faßte, da wurde mir die Sache so bedenklich, daß ich langsam zur Tür hinausschlich, denn ich hatte mir die ganze Sache doch feierlicher gedacht.

 

Kaum war ich draußen angelangt, so kamen auch schon die Herren Minister wie gehetztes Wild aus dem Schloß gelaufen, baten mich sogar zu ihrer Sicherheit um einen kurfürstlichen Wagen, um nach Kassel befördert zu werden, was ich jedoch mit dem Bemerken ablehnte, es übersteige dieses meine Befugnisse. Darauf nahmen sie den Hotelwagen und verschwanden, weil in der Wilhelmshöher Allee noch so viele preußische Truppen standen, über Kirchditmold.

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Die Abführung des Kurfürsten in die Gefangenschaft.

Als kurfürstlicher Stallmeister erhielt ich vom preußischen Gesandten, General v. Röder, den Auftrag, um 10 Uhr (Datum vergessen, muß aber leicht nachzuweisen sein1), einen offenen Wagen mit 6 Pferden bespannt nebst Vorreiter und zwei zweispännige Wagen für die Begleitung, weil der Kurfürst als Gefangener nach Stettin abgeführt werden sollte, vor's Wilhelmshöher Schloß zu schicken. Um 10 Uhr2) brachte ich die Wagen an Ort und Stelle und stellte mich, wie Gebrauch, neben den Wagenschlag des kurfürstlichen Wagens. Wie die Begleitung, Major v. Griesheim vom 30. Regt, und Major von Legat, erschienen, kam der Kurfürst mit einem Flügeladjutanten, welcher ihn begleitete, aus dem Schlosse, um den Wagen zu besteigen. Im Begriff einzusteigen, sagte er (weinend) zu mir: „Halte den Marstall gut, ich komme bald wieder“. Während der Zeit hatte sich trotz des Verbotes die ganze Hof-

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1) Es war am 23. Juni 1866.

2) Abends.

 

 

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