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dienerschaft beim Wagen eingefunden. Als alles zur Abfahrt bereit war, befahl der Major v. Griesheim, welcher mit seinem Wagen vorausfuhr und Major v. Legat hinterher, die Abfahrt. Darauf entstand ein spannender Augenblick. Der Posten vorm Schloß, welcher vorn am Wagen stand, machte sich schußbereit und rief laut: „Keinen Schritt oder ich gebe Feuer!“ Der Major v. Griesheim, ganz erschrocken, ging auf den vor ihm präsentierenden Posten zu und wollte ihn belehren. Der Major stieg wieder in seinen Wagen und kommandierte abermals: „Abfahren“. Mit dem Posten dasselbe Ereignis! Jetzt erst wurde dem Major v. Griesheim klar, daß er nicht Kommandant von Wilhelmshöhe sei und er ließ den Hauptmann v. Lettow holen; dieser gestattete nun die Abfahrt, belobte aber den Posten, wie korrekt er nach seinem Befehl, den Kurfürsten unbedingt nicht fortzulassen, gehandelt hätte. Darauf wurde dem Kurfürsten beim Abfahren von der Dienerschaft ein Lebehoch ausgebracht, und wie der Wagen am Kirchflügel vorbeifuhr, wurden ihm von der Besatzung von Wilhelmshöhe, welche dort Aufstellung genommen hatte, mit Trommeln und Pfeifen die militärischen Ehren erwiesen. So wurde der Kurfürst, um alles Aufsehen zu vermeiden, bis zur Station Mönchehof gebracht1), woselbst er von einem höheren preußischen Offizier in Empfang genommen und nach Stettin geleitet wurde. ______ Nachdem der Kurfürst Wilhelmshöhe verlassen hatte, mußte ich mit dem Marstall noch längere Zeit dort verbleiben, weil das Marstallgebäude noch von preußischen Trappen besetzt war. In dieser Zeit wurde ich noch von Kassel aus durch einen Transport von Keservepferden — 120 Stück, für die Südarmee2) bestimmt — zur Einquartierung und Verpflegung beglückt. Geführt wurde der Transport von einem Offizier vom 4. Kürassierregiment, einem sehr vornehmen Grafen, der, als ich ihm begreiflich machen wollte, daß ich nicht so viele Pferde unterbringen könnte, mir erwiderte: „Erst komme ich und dann der Kurfürst. Heraus mit Ihren Pferden!“ Was blieb mir also übrig? Ich suchte, so gut es eben ging, meine Pferde im Reithaus, in den Wagenremisen und im Maultierstall anzubinden. Zum Glück zog der Graf bald wieder ab, aber siehe da! am anderen Tage warde ich noch einmal mit 50 Pferden beglückt, die ich gut unterbringen konnte, zumal der Führer, ein sehr liebenswürdiger Infanterieoffizier, auch bald wieder abzog. —
Sobald der Marstall in Kassel frei wurde, zog ich dort wieder ein. Alb an, Stallmeister a. D. __________ 1) Auf der Rasenallee über Wilhelmsthal. 2) Die Mainarmee. |
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