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dringen [Eindringen] eines Feindes fuldaaufwärts zu wehren be stimmt war, sollte einem Beschlusse des Magistrats der Residenz zufolge abgebrochen werden. Mit ihr sollte t der „kleine Finkenherd“, der mit seinen uralten Bäumen ein außerordentlich malerisches Bild bot, verschwinden, um eine Verbreiterung des Fuldaflußbettes zu schaffen, die zur Beseitigung der Hochwassergefahr für die tiefer gelegenen Stadtteile Kassels und zur Verbesserung des Schiffahrtsweges notwendig war. Als der Vorstand von beiden Plänen erfuhr, war es bereits zu spät, für die Erhaltung des Finkenherdes, an dessen Bäume schon die Axt gelegt war, einzutreten. Eine Rettung der Insel erschien auch gegenüber den wichtigen Zwecken, denen sie geopfert werden sollte, kaum möglich. Wohl aber erschien es geboten, für die Rettung der Mühle einzutreten, da die Schaffung einer Uferstraße an ihrer Stelle noch in weiter Ferne liegt, alsbald von dem Vorstand an den Herrn Kultusminister gerichtetes Gesuch um Erhaltung der Mühle, für die auch der Herr Bezirkskonservator, Geheimer Regierungsrat Dr. v. Drach, und der Kasseler Archi tektenverein eintraten, hatte den günstigen Erfolg, daß der Herr Kultusminister den Herrn Regierungspräsidenten in Kassel unterm 19. April 1912 ersuchte, Kasseler Stadtgemeinde die Genehmigung zum [Abbruch der Mühle auf Grund des § 56 der Städte ordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August unter Hinweis auf den historischen und den Kunstwert des Bauwerks bis auf weiteres zu versagen. Kasseler Stadtverwaltung richtete darauf unter besonderem Hinweis auf die Baufälligkeit der Mühle Bitte an den Herrn Kultusminister, dieses vorläufige Verbot aufzuheben. Der Herr Minister hat unterm 29. Juni d. J. stattgegeben. Die Unterstädter Mühle ist dem Untergang verfallen. Wenn auch vom Standpunkte des Geschichtsfreundes aus   zu beklagen ist, so muß andererseits doch anerkannt werden, daß nach dem unvermeidlichen Wegfall des kleinen Finkenherdes die alte Mühle einen geradezu häßlich en Anblick bot, so daß das Landschaftsbild am Fuldauf er durch das Abreißen der Mühle nur gewinnen kann.

 

 

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