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— 76 — liches [nützliches] Eigentum ausübten. Die Bauern hatten aber noch viele sog. Beschwerden: 1) Die Landesschul digkeiten in Form von Erbzinsen, Hoheitszinsen, Lehns zinsen und Zehnten. 2) Gemeine Lasten, worunter der allgemeine Landesdienst und die gemeinen Dienste zur eigenen Notdurft der Gemeinden fielen. Zum allge meinen Landesdienst gehörten: Verpflichtungen zum Chausseebau, zum Residenzschloß- und Stiftsbau und zu ändern Bauten sowie die Kriegs- und Notfuhren. Zum Dienste für die eigene Notdurft der Gemeinden gehörten: Bau und Unterhaltung von Kirchen und Schulen, der Pfarrer- und Lehrerwohnungen, Anlage und Unterhaltung von Wegen, Hirtenhäusern, Amts- und Forsthäusern, Botengänge, Tag- und Nachtwachen, Fuhren beim Aufzug der fürstlichen Herrschaft. 3) Die herrschaftlichen Privatfrondienste, wozu gehörten: Burg fronden, d. h. Arbeiten zum Bau und zur Unterhaltung der Burgen, herrschaftliche Weinfuhren, Fischerei- und Teichfronden, Forst- und Jagdfrondienste. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts beginnt die Befreiung unseres Bauernstandes. Im Jahre 1680 wurden mehrere Lasten abgeschafft; 1701, 1740 und 1788 folgten wei tere Verordnungen zur Abschaffung der Personalfronden im Fuldaer Land. Ehe die letzten Verordnungen jedoch vollständig durchgeführt wurden, machte die Säkularisation 1802 dem Fuldaer Kirchenstaat ein Ende. In den folgenden Jahren der wechselnden Herrschaft über das Fuldaer Land stockte die Bauernbefreiung; erst in der hessischen Zeit wurde die völlige Befreiung des Bauernstandes durchgeführt. Am 23. Juni 1832 wurde das Gesetz über die Ablösung der Grundzinsen, Zehnten, Dienste und Reallasten erlassen. Hiermit bekam unser Bauer völlig freies Eigentum. Die Zuhörer bekundeten durch lebhaften Beifall am Schlusse des Vertrages ihren Dank, den der Vorsitzende auch mit Worten zum Ausdruck brachte. Der dritte Geschichtsabend am 7. Januar 1912 führte in die Zeit vor 100 Jahren, wo das Fuldaer Land noch nicht mit Hessen vereinigt war und dieses selbst unter der Herrschaft Jérômes, des jüngsten Bruders Napoleons, stand. Cand. phil . Rudolf Deidert
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