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sprach über Jérômes Königreich Westfalen (1807 bis 1813), zu dem auch das alte Hessen mit Ausnahme des Hanauer Gebietes gehörte, während das Fuldaer Land damals bis 1810 eine französische Provinz und dann bis 1813 ein Bestandteil des Großherzogtums Frankfurt war. Der Redner ging zunächst in seinen einleitenden Ausführungen auf die Zustände in Hessen-Kassel unter Landgraf Wilhelm IX. und auf die französische Okkupation ein. Dann schilderte er die Errichtung der provisorischen französischen Regierung, den Einzug des jungen 23jährigen Königs in Kassel, seinen Charakter, sein Leben und Treiben in Kassel und auf Wilhelmshöhe sowie die Veränderungen, die es mit der Franzosenherrschaft im Lande gab: neue Verfassung nach dem Muster der französischen, Auf hebung der Vorrechte einzelner Klassen, Abschaffung der Leibeigenschaft, Einführung der Religionsfreiheit, Verbesserung der Lage der Juden, Neuorganisierung der Verwaltung, Einführung des Code Napoléon u. s. w. Die Finanzlage des Staates war während der ganzen Dauer der französischen Herrschaft trostlos, da Napoleon eine große Menge der Einkünfte für seine Kriege beanspruchte und das üppige Hofleben Jérômes Un summen von Geld verschlang. Der großen Armee des Kaisers hatte Westfalen als Rheinbundstaat ein Trup penkontingent von 25 000 Mann zuzuführen. Die Miß wirtschaft der Regierung und die Willkür der französischen Beamten erbitterten das Volk derart, daß Aufstände im ganzen Land ausbrachen. Redner ging näher auf den Aufstand des Freiherrn von Dörnberg ein. Mit dem Ausbruch der allgemeinen Befreiungskriege hatte auch für Jérômes Herrschaft die letzte Stunde geschlagen. Schon am 28. September 1813 wurde der König durch das Heranrücken von russischen Heerscharen gezwungen, Kassel zu verlassen. Noch einmal kehrte er zurück; aber mit der Schlacht bei Leipzig war es mit seiner Herrschaft endgiltig vorbei; am 26. Oktober verließ er das Land für immer. Am 21. November kam der vertriebene Kurfürst wieder in sein Land und mit ihm die alte Zeit. — Dem Redner zollten die Anwesenden lebhaften Beifall, dem sich der Vor- [Vorsitzende]

 

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