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haben soll, so hätten ihn die ihm bekannten For schungen eines gut katholischen Gelehrten (Dr. Huys kens in unserer Vereinszeitschrift Bd. 38, S. 143) zur Vorsicht mahnen sollen, der als erster diesen auch von protestantischer Seite geäußerten Vorwurf entkräftet hat. Daß der Befehl, die Gebeine zu zerstreuen, der vom reformatorischen Standpunkt zur Heiligenverehrung eingegeben und wohl nur auf das große Publi kum berechnet war, gar nicht zur Ausführung ge kommen ist, daß vielmehr die Gebeine aufbewahrt und dem Orden später zurückgegeben worden sind, hätte Herr Professor Weber seinen katholischen Zuhörern in diesem Zusammenhange nicht vorenthalten dürfen, wenn es auch dem Zwecke seiner Rede und seiner Veröffentlichung vielleicht nicht gedient hätte. Und ebenso müssen wir darauf hinweisen, daß der eben genannte katholische Forscher ( Huyskens ) sich dahin entschieden hat, der Verlust der Krone der hl. Elisa beth sei nicht bei dem Säkularisationsversuche des Landgrafen im Jahre 1539 eingetreten, sondern schon den Einschmelzungen zuzuschreiben, deren Ursache und Zweck wir oben erörtert haben.

Wir können nach alledem nur aufs neue unserm Bedauern Ausdruck geben, daß Herr Professor Weber gerade in Kassel Beschuldigungen gegen einen im Hessenlande nicht lediglich wegen seiner Be deutung als Reformationspolitiker hochverehrten Fürsten vorgebracht hat, die mit den Ergebnissen gewissenhafter Forschung im Widerspruch stehen.

Ebenso bedauerlich ist es, daß ein hauptsächlich von Katholiken gelesenes Blatt den Versuch macht, aus unserer Richtigstellung eine Beleidigung von Katho liken zu konstruieren, und diese auffordert, die Be strebungen unseres Vereins durch Zahlung von Mitgliederbeiträgen fürder nicht mehr zu unterstützen.

Kassel, den 9. Oktober 1912.

 

Der Gesamtvorstand des Vereins für hessische Geschichte
und Landeskunde.

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