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Grund. Wir schreiten rasch fort von Moritz zu Landgraf Karl, dem zweiten Sohn Wilhelms VI. Woher hatte er seinen Namen? Nach seinem Taufpaten Karl X. von Schweden; es war zum zweitenmale, daß ein schwedischer Name in die hessischen Familien eindrang; Wilhelm V. hatte nach Gustav Adolf einen Sohn Adolf genannt. Auch der Name Otto taucht noch einmal auf. Moritzens Sohn Otto war von einer Solmserin, in deren Familie der Name zu Hause war. Aber Moritz, der selbst ein Drama über Otto den Schütz geschrieben hat, wollte wohl auch die Erinnerung an diesen auffrischen, unter den Söhnen des Landgrafen Karl taucht auch der Name Friedrich auf und zwar nach dem Oheim Friedrich III. von Brandenburg. Aber Karls Interessen waren vielseitig; er nannte zwei Söhne Leopold und Maximilian, um die Annäherung an den Hof von Wien zu bekunden, und nach den verbesserten Beziehungen zu Hessen-Darmstadt nannte er einen seiner Söhne Ludwig. Aber der Anschluß an Österreich war für Hessen nur eine Episode in der Namengebung. In der letzten Zeit des Landgrafenhauses war der Anschluß an Preußen besonders eng. Wilhelm II. nannte seine drei Söhne Wilhelm Friedrich, Friedrich Wilhelm und Friedrich Wilhelm Ferdinand; dieser, 1806 im Schlosse zu Berlin geboren, hieß nach dem kurz vorher gefallenen Prinzen Louis Ferdinand von Preußen.

Bemerkenswert hingegen ist das frühe Schwinden des welfischen Einflusses. Andere dynastische Einflüsse fehlen in der Kasseler Linie, wo wir sie — Württemberg, Mecklenburg — vielleicht erwarten dürften, ganz. Erbverträge hatten eben einen stärkeren Einfluß als bloße Familienbande. Der letzte Kurfürst von Hessen schloß eine Ehe, die zwar ein gesundes Familienleben zur Folge hatte, aber weder ihm noch seinem Lande zum Segen gereichte. Er löste sich selbst aus allen dynastischen Beziehungen. In der Namengebung seiner Kinder aber klammerte er sich an die Traditionen seiner Familie. Er war gewiß kein Romantiker, aber stark durchdrungen von der Tradition seines Hauses. Und nach den Namen seiner Vorfahren

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