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Ziel eines Museumsbaues der Verwirklichung nahe gerückt. — Sodann erstattete der Schatzmeister, Landgerichtsrat Heer, den Kassenbericht und legte den Voranschlag für das nächste Jahr vor; nach Bericht der Revisoren über die Prüfung der Rechnung wurde Entlastung erteilt und der Voranschlag genehmigt. — Die Mitglieder des Vorstandes und des Redaktionsausschusses wurden auf Antrag aus der Versammlung durch Zuruf von neuem gewählt; der Vorstand besteht aus den Herren: Rosenfeld, Wenck, Heer und Giebel; die von Marburg zu wählenden Mitglieder des Redaktionsausschusses sind: Schröder-Göttingen und Wenck. — Es folgte der angekündigte Vortrag von Archivrat Dr. Rosenfeld: Landgraf Friedrich II. von Hessen-Cassel und die Herrenhuter. In die kolonisatorischen Bestrebungen dieses Landgrafen gehört auch ein Versuch, eine Herrenhuter Niederlassung nach Kassel zu ziehen; der Gedanke dazu scheint durch einen Besuch Friedrichs in Neuwied 1781 angeregt zu sein, wo sich seit 1750 eine damals in schönster Blüte stehende Brüderkolonie befand. Besonderes Interesse erregt dieses Projekt durch die Person des Vermittlers, des berühmten Möbelfabrikanten, „Kabinetmachers“ und „Ebenisten“, David Roentgen von Neuwied, der im eigenen Geschäftsinteresse den Plan betrieb, nachdem schon vor einigen Jahren ein Versuch, eine Filiale seiner eigenen Fabrik nach Kassel zu verlegen, gescheitert war. Er vermittelte eine Korrespondenz des Landgrafen mit dem Bischof der Brüdergemeinde, Gottlieb August Spangenberg in Barby, die indessen resultatlos blieb und auch dem eifrigen Geschäftsmann nicht einmal den ersehnten Kommerzienratstitel eintrug. Die Brüderunität, damals auch von anderen Dynasten umworben, lehnte das Anerbieten des Landgrafen ab, weil dieser, dem in merkantilistischem Interesse allein daran gelegen war, in den Brüdern geschickte Professionisten und fleißige Gewerbetreibende ins Land zu ziehen, sich in seinen Versprechungen kirchlicher und bürgerlicher Freiheiten doch nicht zu sehr binden wollte.

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