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der, im August 1819 in Kassel als Sohn eines kurhessischen Beamten geboren, das Lyceum Fridericianum besuchte und sich nach akademischem Studium die Würde eines Doktors der Philosophie erwarb. Nachdem er in den 40er Jahren in Volksversammlungen weniger hervorgetreten war, begann er 1848 eine erhebliche Tätigkeit auf politischem Gebiet zu entfalten. Im August dieses Jahres begründete er zusammen mit dem Rechtskandidaten Heinrich Heise, dem wegen seiner demokratischen Reden die Anstellung im kurhessischen Staatsdienst verweigert worden war, die „Hornisse“, zunächst ein satyrisches Blatt, das dann vom Jahre 1850 an als Tageszeitung erschien. Redner entwarf nun kurz ein Bild der damaligen politischen Verhältnisse und schilderte namentlich die nach der bekannten Steuerverweigerung erfolgte Auflösung der Ständeversammlung. In die neue Ständeversammlung war auch Kellner gewählt worden und ebenso, neben Henkel, Gräfe, Schwarzenberg und Bayrhoffer, in den ständigen Ausschuß. Der bekannte weitere Verlauf der Dinge veranlaßte das Einrücken der Bundesexekution und damit auch die Flucht Kellners, der aber in Wormeln ergriffen und in das Kastell eingebracht wurde. Nach Schätzung seiner Freunde hatte er eine Strafe von 25 bis 30 Jahren zu erwarten. Für die demokratische Partei war es Ehrensache, Kellner aus dem Kastell entfliehen zu lassen, und nachdem bereits vier Tage lang die Verhandlungen im Kastell stattgefunden hatten, war Kellner plötzlich aus dem Kastell entsprungen. Redner schilderte zunächst die örtlichen Verhältnisse, die es Kellner ermöglichten, die für fast unmöglich gehaltene Flucht auszuführen. Waren doch allein drei Posten aufgestellt, um das Entweichen des Gefangenen zu verhindern. Der Gardist Zinn war nun derjenige, der bestochen worden war. Er stand oben im ersten Stock vor der Zelle Kellners und veranlaßte, nachdem er diesen aus der Zelle herausgelassen hatte, den Gardisten Schott, mit ihm den Posten zu tauschen. Nachdem Schott auf diese Weise erledigt war, wurde der Gardist Wetterau, der Posten vor der Wache auf dem Hofe, gleichfalls getäuscht; als er der Mühlengasse

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