vorherige Seite  -  zurück  -  nächste Seite
 
 

..

- 42 -

nommen [aufgenommen] und dann trotz dringender Warnung vor der Pilgerfahrt zwei Meilen weit geleitet wurde. Über Butzbach ging die Reise weiter über Frankfurt und Heidelberg nach Stuttgart, wo allerdings des Landgrafen Oheim, Graf Eberhard im Barte, nicht anwesend war. In Ulm verehrte ihm der Rat ein halbes Fuder Wein und ein Fuder Hafer. Längerer Aufenthalt wurde zu Innsbruck am glänzenden Hofe Erzherzogs Sigismunds von Tirol genommen. In Trient interessierte sie als Christen das „von denen schändlichen Juden gemarterte unschuldige Kindlein“― ein Märchen, von dem wir uns trotz unseren maßlosen Kulturfortschritten auch heute noch nicht ganz befreien können. Zu Torins (Treviso) wurden neue Pferde gekauft und ein Teil der Begleitung zurückgeschickt. Am 22. Mai erreichte man Venedig zu Schiff, wo ein Vertrag wegen der Überfahrt abgeschlossen wurde. Der Landgraf mußte für die Person 40 Dukaten bezahlen. Auf dem Schiff wurde den Reisenden nichts geboten als ein Ort, auf dem sie stehend sich knapp bewegen konnten, drei Spannen weit und acht Schuh lang, also eine Unterkunft, die sich heute kein Zwischendecker gefallen lassen dürfte. Die Galee — erst später kam der Ausdruck Galere auf — glich ganz einer antiken Trireme und wurde durch Ruder fortbewegt. Die Pilger waren gezwungen, in dem Raum unter der Decke, also auf den Schiffsplanken, auf dem Balastsande zu liegen. Die Speisen spotteten aller Beschreibung. Die „Biskuits“ waren hart und von Würmern zerfressen; daheim, meint Dietrich von Schachten, würde höchstens ein Hund oder ein Schwein eine derartige Speise essen. Weiter gab es übles Fleisch und Fische, auch war es möglich, an Bord lebende Hühner zu kaufen. Unter den Angestellten an Bord befand sich auch ein Arzt und ein Bader. Alles, was in Venedig sehenswert war, sahen sich die Reisenden an. Das Schönste waren auch damals schon die Frauen, und es ist charakteristisch, in wie verschiedener Art sich die beiden Schriftsteller, Grüneberg und Schachten, über die Frau auslassen. Der Konstanzer Bürger dachte an die Mutter und Schwester und vielleicht auch an die Geliebte da- [daheim]

..