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einem bedeutenden Marktorte, während Kassel noch ein kleines Fischerdorf, das allerdings sich zu den Füßen eines Königshofes lagerte, war. Von Kassel aus wanderten die Leute zu dem nahen Dietmelle, dem jetzigen Kirchditmold, welches um das Jahr 1009 zwei Kirchen und das Zentgrafengericht besaß. Aus Ditmold kam nun eines Tages im Jahre 1011 ein wegemüder Pilger bis zu dem Hasunger Berge, baute sich hier eine Klause und lebte daselbst als Einsiedler. Er hieß Heimerad und war aus einem schwäbischen Geschlechte. Sein unruhiger Geist hatte ihn einst zu einer Pilgerfahrt nach Jerusalem getrieben, dann war er zum Kloster Hersfeld gekommen, von da nach Kirchberg bei Gudensberg, wo er unerwiesenerweise eines Kirchenraubs beschuldigt wurde und sich nach Westfalen wandte, wo er vom Grafen Dodico und Bischof Meinwerk freundlich aufgenommen, bei den Externsteinen eine Einsiedelei gründete. Aber auch hier blieb er nicht dauernd. Hier auf dem Hasunger Berge verlebte er seine letzten Jahre und geriet in den Ruf großer Heiligkeit. Die Bewohner der Umgegend kamen zu ihm und ließen sich in Trübsal trösten und in Krankheit heilen. Seine Todesstunde schlug am 19. Juni 1019. Noch an seinem Leichnam und seinem Grabe sollen sich Wunder von Krankenheilungen begeben haben. In seinen letzten Stunden prophezeite er, daß sich an dieser Stelle einst ein großes Heiligtum erheben werde. Da die Stätte immer mehr von Kranken besucht wurde, ließ Erzbischof Aribo von Mainz eine Wallfahrtskapelle über dem Grabe des hl. Heimerad erbauen, später beschloß Siegfried von Eppenstein, Abt von Fulda, dann Erzbischof von Mainz, ein Kollegiatstift hier zu gründen und ließ, als er 1064 vom Grabe Christi zurückkehrte, ein schönes, großes Kloster bauen. Die damals als Architekten berühmten Mönche von Hirsau ließ der Erzbischof kommen, und sie haben 8 Jahre daran gebaut. Das Kloster wurde nun mit einem Abte und zwölf Mönchen besetzt. Als Erzbischof Siegfried beim Kaiser Otto in Ungnade gefallen war, zog er sich nach Hasungen zurück, starb aber 1084 in Erfurt. Seine

 

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