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Wir werden bemüht sein mit all den Gruppen, die ähnliche Ziele verfolgen, so eng wie möglich zusammenzuarbeiten, insbesondere mit dem Heimatbund und dem hist. Institut des Werralandes. Konkurrenzgefühle sind uns völlig fremd, es geht hier nur um die Sache. Persönlich würde ich es begrüßen, wenn die Entwicklung dazu führen würde, auch organisatorisch eine engere Verbindung der gleichartigen Gruppen zu schaffen. — Wir wollen zusammenarbeiten unter dem Motto, das Freiherr vom Stein der großen Quellenpublikation zur deutschen Geschichte, den „Monumenta Germaniae historica“, vorangestellt hat:

„Sanctus amor patriae dat animum.“

Heiße Liebe zum Vaterland ist der Antrieb zu unserm Tun!

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Die öffentliche Festsitzung begann um 11.30 Uhr im gut besuchten Stadt verordneten-Sitzungssaal des Rathauses mit einem Adagio aus dem „Concerto primo“ von G. A. Brescianello, ausgeführt von einem Schülertrio des Realgymnasiums Wesertor. Hr. v. Both begrüßte die Anwesenden, insbesondere Herrn Regierungsdirektor Trost als Vertreter des Herrn Regierungspräsidenten, Herrn Dr. Jorns als Vertreter des Darmstädter Brudervereins sowie die Vertreter der Stadt Kassel und der städtischen Körperschaften. Im Anschluß an die Totenehrung nahm Hr. Univ.-Prof. Dr. Friedrich Uhlhorn (Marburg) das Wort zu seinem Festvortrag über „die politischen Kräfte im nordhessischen Raum während des hohen Mittelalters“.

Die öffentliche Festsitzung klang aus mit der „Sonata I“ von Arcangelo Corelli.

 

Vortragsbericht:

Die politischen Kräfte im nordhessischen Raum während des hohen Mittelalters

Nordhessen ist der Raum, in dem nördliche und südliche Kräfte seit frühester Zeit in dauernden Wechselbeziehungen gestanden haben, die dieses Gebiet im Hin und Her der Mächte bis in unsere Zeit niemals recht zur Ruhe kommen ließen. E. E. Stengel, der diesen Prozeß zum ersten Male für das frühe Mittelalter beobachtete, hat ihn mit dem treffenden Ausdruck „Wellenbewegung“ charakterisiert. Der Redner setzte diese Betrachtungsweise bis an das Ende des hohen Mittelalters fort, wies aber eingangs darauf hin, daß er nur ein Bild in Umrissen geben könne, da für diese Periode nordhessischer Geschichte noch sehr viele Einzelfragen geklärt werden müssen, ehe ein vollständiges Ergebnis vorgelegt werden kann.

Der Zerfall des fränkischen Reiches und die Katastrophe der Konradiner im 10. Jh. ließen zwischen Diemel und Weser sowie an der unteren Werra zahlreiche geistliche und weltliche Mächte in Nordhessen einbrechen, so Paderborn, die Grafen von Reinhausen, deren Erben die Winzenburger waren, und die Grafen von Northeim, die an der Werra die Grafen von Bilstein überrundeten. Ihnen gegenüber standen das Erzstift Mainz, das in langsamem Vorrücken aus dem niederhessischen Zentralraum um Fritzlar 1153 bis zur Schönburg vordrang, und die Landgrafen von Thüringen als Erben der Gisonen.

Seit der Mitte des 12. Jhs. hatten die Welfen die Northeimer und Winzenburger Besitzungen in ihrer Hand vereinigt. Heinrichs des Löwen Einfluß reichte vom Leinetal und der Oberweser weit das Werratal hinauf. Münden, nach den neuesten Forschungen wahr scheinlich doch eine welfische Gründung, war der Angelpunkt seiner Stellung. Dadurch aber ist die Geschichte des nordhessischen Raumes nun für diese Jahrzehnte wesentlich bestimmt worden. Das Reich besaß in der Boyneburg zwar einen weit vorgeschobenen Posten, hatte sich im übrigen aber längst auf das Rhein-Main-Gebiet zurückgezogen. Paderborn mußte seine im Anfang so energisch betriebenen Ausdehnungsbestrebungen nach Süden vorerst einstellen. Mainz und die Landgrafen sahen sich einem übermächtigen raumfremden Geg ner gegenüber. Heinrichs des Löwen machtvolle Position beherrschte so weitgehend die Lage, daß die Territorialentwicklung in Hessen vollständig ins Stocken geriet.

 

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