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Im Ersten Weltkrieg scheint man sich die Vivatbänder nicht mehr an die Brust geheftet zu haben (Vanja, S. 37); allenfalls ist in der ersten Kriegszeit damit zu rechnen, als die patriotische Begeisterung noch hohe Wellen schlug, doch läßt sich das bisher nicht nachweisen. So haben die Verlage der Vivatbänder offenbar von Anfang an auf das Sammeln ihrer Erzeugnisse gesetzt und dafür Sammelalben herausgebracht. Solche Alben sind von den Berliner Verlagen Amsler & Ruthardt und Bergmann bekannt, während es für "Österreichische Vivat-Bänder" eine schmale Klemmappe zum Aufbewahren der Bänder gibt. Die zugunsten des Roten Kreuzes herausgegebenen Vivatbänder des Verlags Amsler & Ruthardt sind zum Teil von bedeutenden Künstlern entworfen worden, so von Lovis Corinth, Heinrich Vogeler und Peter Behrens. Die Wiener Vivatbänder wurden vom Kriegshilfskomitee Bildender Künstler zugunsten des Roten Kreuzes, des Kriegshilfsbüros des Ministeriums des Innern und des Kriegsfürsorgeamts im Verlag Albert Berger herausgegeben. In einem Prospekt des Kriegshilfskomitees von 1916 heißt es dazu: "Unsere Vivatbänder folgen zwar den deutschen Vorbildern, lassen jedoch eine eigene österreichische Note nicht verkennen.... Die Vivatbänder dienen heute als Schmuck der Tafel, der Wände, der Glasschränke und dergleichen. Die Soldaten schmücken damit ihre Kappen. Auch als Lautenbänder sind sie schon stark verbreitet. Weit über 150 000 Vivatbänder sind im Verkehr."

 

Bereits 1916 ging das Interesse an den Vivatbändern merklich zurück. Der Verlag Bergmann teilte Winkel am 14.12.1916 auf einer Postkarte mit, "dass außer den bereits erschienenen Bändern, welche Sie bereits sämtlich besitzen, weitere Bänder bisher nicht erschienen sind. - Das Interesse für die Vivatbänder scheint in der letzten Zeit recht nachgelassen zu haben." (Museum Weißenfels, Akten Vivatbänder 6, Bl. 4) 1917 sind nur noch einige wenige Bänder bei Amsler & Ruthardt in Berlin und bei Albert Berger in Wien herausgekommen. Den Abschluß bildet dann ein Friedensband der Stadtsparkasse Bielefeld aus dem Jahre 1920. Anläßlich der Ausstellung der Vivatbänder aus dem Museum Weißenfels und der Landesausstellung Hessen und Thüringen hat das Staatsarchiv Marburg ein neues Vivatband herausgebracht: VIVANT HESSEN UND THÜRINGEN 1292 - 1992. Die Abbildungen in den Medaillons, die Elisabethkirche in Marburg und die Wartburg in Eisenach, erinnern an die heilige Elisabeth und stehen zugleich für die heutige Städtepartnerschaft zwischen Marburg und Eisenach.

Wilhelm A Eckhardt

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Literatur

Winkel, G. G.: Geschichtlich vaterländische Seidenbänder. In: Der Sammler 10, 1888, Sp. 21 ff., und 11, 1889, Sp. 185 ff.

Ders.: Vivatbänder. Ein Festschmuck aus fridericianischer Zeit. In: Velhagen & Klasings Monatshefte 12, 1897/98, Bd. 2, S. 184 ff.

Ders.: Vivatbänder. In: Verband deutscher Kriegssammlungen, Mitteilungen 1920 Nr. 4, S. 101 ff.

Ders.: Ein Lebensbild eines preußischen Verwaltungsbeamten. In: Unsere Prignitz, Beilage zum Pritzwalker Tagesblatt, 9. Jg. 1933, S. 5 ff.

Seidel, P.: Vivatbänder oder Siegesbänder im Hohenzollern-Museum. In: Hohenzollern-Jahrbuch 16,1912, S. 128 ff.

Ders.: Vivatbänder aus alter und neuer Zeit (Kriegsschriften des Kaiser-Wilhelm-Dank 44), Berlin (1915)

Vanja, K.: Vivat - Vivat - Vivat ! Widmungs- und Gedenkbänder aus drei Jahrhunderten (Schriften des Museums für Deutsche Volkskunde 12), Berlin 1985.

Eckhardt, W. A.: Vivatbänder aus dem Museum Weißenfels (Schriften des Hessischen Staatsarchivs Marburg 8), Marburg 1992.

 

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