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nordhessische Region verpflanzt worden ist. Durch Schmieders Büchlein über Frau Holle, das die Brüder Grimm ablehnend rezensierten, kamen schon vor 200 Jahren erste neu geschaffene Geschichten über Frau Holle in Umlauf, die heute zum festen Bestandteil der modernen Sagenüberlieferung geworden sind. Wenn man versucht, die neueren Zutaten von alter Überlieferung zu trennen, die nicht nur in Sagen, sondern auch in Flurnamen usw. besteht, so wird für die nordhessisch-thüringische Region die Gestalt einer weiblichen Natur- und Fruchtbarkeitsgöttin greifbar, wie sie weltweit in nahezu allen Kulturen unter den verschiedensten Namen anzutreffen ist. Quellen, Seen und Höhlen sind die Verehrungsorte dieser Gottheit, die letztlich als regionale Ausformung der „Großen Mutter" ihre regionale Ausprägung als „Frau Holle" gefunden hat.

 

Nach einer kurzen Besichtigung der romanischen Klosterkirche wurde die Veranstaltung mit dem Vortrag über „Sagen als Quellen der Regionalgeschichte" von Dr. Karl Kollmann, Bischhausen, fortgesetzt. Der Referent versuchte klarzustellen, dass die Sage als mündliche Überlieferung des Volkes trotz zahlreicher Einschränkungen als Quelle für die regionale Geschichte genutzt werden kann. Durch die mündliche Tradition wird der Kern der Überlieferung, den es zu ermitteln gilt, oft bis zur Unkenntlichkeit verändert, handelnde Gestalten wie auch Erklärungsversuche von Unerklärlichem werden aktualisiert, Motive werden vielfach von anderen Orten übertragen. An zahlreichen Beispielen aus der hessisch-thüringischen Region konnte dies verdeutlicht werden. Reine geschichtliche Sagen mit eindeutigem Bezug zu einem Ereignis wurden dabei nur am Rande behandelt. Manche Motive weisen auf Standorte von Wüstungen, Gerichtsstätten oder Burgruinen hin und helfen bei der Erforschung der Lokalgeschichte bis zurück ins frühe Mittelalter. Interessanter, aber auch schwieriger ist der Versuch, über die Sage in die vorchristliche Zeit vorzudringen. Der Referent konnte hierzu dennoch eine ganze Reihe von Möglichkeiten aufzeigen, wobei die Sagenüberlieferung durch archäologische Befunde und schriftliche Überlieferung gestützt werden kann. Nach dem gemeinsamen Abendessen gab Dr. Karl Kollmann in einem kurzen Diavortrag eine Einstimmung auf die Exkursion am nächsten Tage.

 

Das erste Ziel der Exkursion rund um den Meißner waren die Hollensteine bei dem Dorf Hollstein, imposante Dolomitfelsen, die dem 1195 erstmals genannten Ort den Namen gegeben haben. Interessant ist hier ein

 

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