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herausmodellierter Löwenkopf, dessen Alter und Bedeutung noch unklar ist. Die Hollensteine liegen in Sichtbeziehung zum Meißner und sind wohl kaum als „hohle Steine", sondern eher als Steine der Frau Holle zu verstehen, wobei ihre ehemalige Funktion unbekannt ist. Das nächste Ziel war die „Kitzkammer", eine kleine Höhle in einem Felsen am Rande der Meißnerhochfläche. Dass Frau Holle hier untüchtige Frauen in Katzen verwandelte und einsperrte, ist wohl jüngere Volksetymologie; ohnehin taucht der Felsen in alten Urkunden als „Itschenstein" (Itsche = Kröte, Salamander) auf, während der umgebende Wald als „Kotzen Kammer" bezeichnet wird.

 

In einer Wanderung über die Hochfläche des Meißners, die vor der Aufforstung als Viehweide diente, ging es zum „Frauhollenteich", dem wichtigsten Ort mit einer Holle-Überlieferung. Bereits 1614 wurde er in der Beschreibung des Hessenlandes durch Landgraf Hermann als „Frau Hollen Bad" erwähnt. Hier soll sie sich - in der Mittagsstunde wie alle alten Gottheiten - badend sehen lassen. Bodenfunde sowie weitere Überlieferungen lassen den Schluss zu, in diesem Teich einen Verehrungsplatz für die weibliche Natur- und Fruchtbarkeitsgottheit zu sehen. Nach dem Mittagessen stand die Besichtigung der Hohlstein-Höhle zwischen Hilgershausen und Kammerbach auf dem Programm. Mit der ersten Erwähnung von 1267 ist sie die früheste urkundlich genannte Höhle Deutschlands und mit 40 Meter Länge und 20 Meter Breite eine der größten Höhlen in Hessen, die für unseren Besuch für kurze Zeit im Kerzenlicht geheimnisvoll illuminiert war. Wie beim „Frauhollenteich" sprechen auch hier Bodenfunde und Sagenüberlieferung eine deutliche Sprache: dies ist nicht nur ein „hohler Stein", sondern ein Verehrungsplatz der Frau Holle.

 

Nächste Station der Rundfahrt war der „Bär", ein Dolomitfelsen bei Abterode, der eigentlich seit Jahrhunderten der „Todstein" heißt. Frau Holle soll ihn auf dem Daumen hierher getragen haben; früher bekränzten ihn die Kinder im Frühling mit Blumen. Unmittelbar benachbart liegt die romantische Ruine der alten Pfarrkirche von Abterode, der Abschluss der Exkursion.

Dr. K. Kollmann

 

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