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I. Melchior Rinck - der Humanist

Über Zeit und Ort seiner Geburt wie über seine Herkunft und seine Jugend liegen keine zuverlässigen Nachrichten vor, wohl aber vereinzelte Hinweise in einem kleinen Buch mit lateinischen Gedichten, das 1516 in Leipzig erschien, in einer Quelle aus Württemberg und in der Matrikel der Universität Leipzig für das Sommersemester 1512. Verfasser der lateinischen Gedichte ist ein Melchior Rynich, offenbar eine andere Schreibung des Namens Rinck; dieser dankt in einem Vorwort seinem Lehrer in den „artes liberales" (heute Philosophische Fakultät) für die finanzielle Unterstützung seines Studiums; in der Matrikel für das Jahr 1516 allerdings findet sich der Name Melchior Rinck nicht. Hier hilft die Nachricht aus Württemberg weiter, die von dem „hessischen 'Wiedertäufer' Melchior Schnabel, genannt Rinck" spricht; demnach ist Schnabel der Familienname, Rinck ein späterer Beiname. In der Matrikel für das Sommersemester 1512 hat sich ein „Melchior Schnabel de Allendorff eingetragen; „de Allendorf' könnte - nach dem „Elisabeth-Gedicht" zu schließen - Allendorf an der Lumda sein, das Geburtsjahr wahrscheinlich 1493. Da einer weiteren Quelle zufolge Melchior Rinck 1516 an Disputationen der Artisten-Fakultät in Leipzig teilnahm, Voraussetzung einer solchen Teilnahme aber das Absolvieren der ersten Stufe des Studiums der „artes liberales" und damit die Erlangung des Grades eines „Baccalaureus artium" war, muss Melchior Rinck zur Zeit dieser Disputationen Baccalaureus gewesen sein; der viersemestrige Weg zum „Magister artium" lag also noch vor ihm. Die Tatsache, dass Melchior Rinck nicht nur die lateinischen Gedichte jenem Büchlein von 1516 beigefügt, sondern auch als einziger Baccalaureus an zwei großen Publikationen der Universität Leipzig im selben Jahr mitgewirkt hat, lässt darauf schließen, dass Melchior Rinck bei seinen Lehrern großes Ansehen genoss. Seine Kenntnisse der lateinischen, mehr aber noch der griechischen Sprache lassen in ihm einen Humanisten erkennen. Bald nach 1516 scheint Melchior Rinck Leipzig verlassen zu haben, um in Erfurt eine Vorlesung über den „griechischen Poeten Hesiod" zuhalten. In Erfurt - so der Referent - könnte Rinck auch die Verbindung nach Hersfeld geknüpft haben; denn hier studierten wegen der räumlichen Nähe viele Studenten aus Osthessen. Eine sichere Spur findet sich aber erst im Frühjahr 1523 in Hersfeld.

 

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