..

22

 

Harpyie zur Geißelung des habgierigen Mönchtums entspricht keineswegs der behutsamen Vorgehensweise Landgraf Philipps bei der Klosteraufhebung. Es kann sich darum beim Philippstein wohl auch nicht um eine vom Fürsten verordnete Selbstdarstellung handeln. Vielmehr möchte der Auftraggeber auch hier wieder den Landgrafen auf seine Verantwortung für die Erhaltung der reformatorischen Lehre hinweisen.

 

Heinz von Lüders oder Christines Söhne?

Damit ist wohl deutlich geworden, dass Landgraf Philipp selber gewiss nicht der Auftraggeber des Steinreliefs war. Es handelt sich deshalb wohl eher um ein Mahnmal, keineswegs um eitle Selbstdarstellung. Dazu hatte der Landgraf im Jahre 1542 auch wenig Veranlassung. Es könnte sich eher um ein Auftragswerk des Obervorstehers Heinz von Lüder handeln. Für Lüder wäre es naheliegend gewesen, seinen Bediensteten der Dodenhäuser Hospitals-Eisenhütte, Philipp Soldan, zu beauftragen. 1527 hatte Lüder die Aufhebung der hessischen Klöster und deren Umwandlung zum „gemeinen Nutzen" vorgenommen. Die Stiftung eines Hospitals im ehemaligen Zisterzienserkloster Haina ist darum eng mit seinem Namen verknüpft. Durch Landgraf Philipps persönliches Verschulden stand also auch sein Lebenswerk auf dem Spiel. Es gibt noch eine weitere Deutungsmöglichkeit für die Urheberschaft des Steinreliefs. Die heilige Elisabeth rechts im Bilde trägt die Gesichtszüge von Philipps rechtmäßiger Frau Christine von Sachsen. Demandt hat vermutet, dass ein anderweitig überlieferter „Fürstinnenspruch" von Soldan ursprünglich für die gemeinsame Darstellung Christines und Philipps auf dem Steinrelief gedacht war. Der Künstler habe aber nach dem Bekanntwerden der Nebenehe darauf verzichtet. Daher rühre der reichliche freie Platz in der linken Bildhälfte. Das Fehlen der Landgräfin bedeutet freilich, dass Philipp damit nur am so deutlicher herausgestellt wurde. Wenn man davon ausgeht, dass das Relief nunmehr erst recht als ein Mahnmal für den Landgrafen gedacht ist, dann wäre es denkbar, dass die Kinder der Christine ihrem Vater damit die Unrechtmäßigkeit seiner Nebenehe vorhalten wollten. Falls die Vermutung stimmt, könnten die legitimen Söhne, die um ihr Erbe fürchteten, die Auftraggeber gewesen sein, zumal Philipp im Testament von 1542 die Kinder der Margarethe stärker als zuvor vereinbart ins Erbe einsetzen wollte. Der hessische Wappenschild mit sämtlichen Besitzungen der Landgrafschaft unterstreicht dann die Rechtmäßigkeit der Ansprüche der Söhne aus der ersten Ehe. Elisabeth ist mit der Krone und

 

..